Verständnis und Schuldzuweisungen

Unterschiedliche Reaktionen auf geplatzten Marktplatz-Umbau

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Offenbach - Auch einen Tag nach dem vorläufigen Aus für den Marktplatzumbau haben sich die Gemüter nicht beruhigt. Während sich SPD und CDU die Schuld für das geplatzte Bauprojekt gegenseitig zuschieben, drängen FDP und Grüne darauf, dass die Umgestaltung nur aufgeschoben sein darf.

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Roland Walter liegt die Verantwortung für das Aus bei Ex-OB Horst Schneider (SPD), der als Baudezernent den Marktplatzumbau initiiert hat, dessen Kostenschätzung und Zeitplanungen laut Walter „sich aber als unrealistisch herausgestellt haben“. Zudem seien zusätzliche technische und damit kostenwirksame Risiken aufgetaucht. Dem entgegnet die SPD, dass die Tansania-Koalition anderthalb Jahre gebraucht hätte, bis sie sich auf eine Umbauvariante einigen konnte. Der Fraktionsvorsitzende Martin Wilhelm spricht von „Schneckentempo“ und kritisiert, dass durch diese „Trödelei“ wichtige Zeit verloren gegangen sei, in der Firmen noch vor dem Bauboom hätten beauftragt werden können.

„Sachfremd, ärgerlich und teilweise auch ein bisschen schofelig“ nennt FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck diese gegenseitigen Schuldzuweisungen. Angesichts der „bauboombedingten Kostensteigerungen“ von 5,1 auf mindestens 8,5 Millionen Euro und den damit verbundenen Belastungen für Anlieger und Stadtkasse gibt es laut Stirböck aber keine Alternative zum Baustopp. Stirböck betont aber auch, dass die Umgestaltung nicht komplett ad acta gelegt werden darf und verweist auf den Masterplan, in dem das Projekt als „Herzstück des Innenstadtumbaus“ bezeichnet wird. „Die Offenbacher Stadtpolitik, aber vor allem die Koalition wird sich an diesem Anspruch messen lassen müssen“. Der Freidemokrat kann sich auch eine „schrittweise Entwicklung“ vorstellen und dass verkehrsbelastungsmindernde Maßnahmen vorgezogen werden.

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Rein kosmetische Maßnahmen kommen für die Grünen allerdings nicht in Betracht. Sie wollen, dass auf die Vorarbeiten und bisherigen Pläne in Zukunft aufgebaut werden kann. Für die Grünen ist das Projekt jedoch weiterhin ein zentrales Anliegen. „Wir brauchen eine deutliche Verkehrsberuhigung an diesem zentralen Platz, die den Stadtkern städteplanerisch aufwertet“, erklärt die Stadtverordnete Sybille Schumann. Dies hört Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) gerne, der es nach wie vor für wichtig hält, dass die Innenstadt schöner wird. „Der zentrale Platz darf nicht hässlich sein.“ Nun sei aber Tansania in der Pflicht. „Die Koalition muss jetzt sagen, was sie will.“

Bedauern über die Verschiebung des Umbaus herrscht bei der IHK, dessen Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner betont: „Wir haben uns lange und intensiv für den Umbau des Marktplatzes eingesetzt. Die Verschiebung des Projekts ist keine gute Nachricht für die Innenstadt. Dennoch haben wir Verständnis für die Entscheidung. Eine so drastische Kostensteigerung wäre auch angesichts der finanziellen Belastung der Anlieger nicht akzeptabel.“ (stm)

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