Verwertungskosten

Trotz Biotonne stabile Gebühren

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Offenbach - Frankfurt hat es Boulevard-Schlagzeilen gemacht: Wenn die Stadt ihren eingesammelten Biomüll in die Verwertungsanlage bringt, zahlt sie laut Hessischem Rechnungshof mit 130 Euro deutlich mehr pro Tonne als etwa der Kreis Offenbach (78 Euro). Tragen müssen das die Bürger.

Und was zahlt Offenbach, das am 1. April die Biotonne eingeführt hat, an die Kompostierer? Das wollen Bürgermeister Peter Schneider und ESO-Geschäftsführer Markus Patsch bislang nicht verraten – können es auch nicht, weil die europaweite Ausschreibung noch läuft. Die Frankfurter Stadt-Firma, die interimsmäßig bis zum 30. November den organischen Abfall annimmt, gehört zu den Bewerbern. Eröffnung der Angebote war am 29. Juli, eine Entscheidung ist bisher nicht gefallen. Peter Schneider warnt indes davor, allein die Preise miteinander zu vergleichen. Auch die Kostensicherheit auf einem schwankenden Markt durch eine langfristige Bindung müsse berücksichtigt werden: „Wie bei den kurzfristig höheren Zinsen bei dem 140-Millionen-Schuldscheindarlehen, das die Stadt jetzt aufgenommen hat.“ Den Bürgern will der Bürgermeister jedenfalls stabile Müllgebühren gewährleisten – trotz zusätzlicher Biotonne, neuen Fahrzeugen und zusätzlichen Mitarbeitern. Die Untersuchung des Rechnungshofs, aus der Teile vorab an die Öffentlichkeit gelangten, soll im Oktober vorgelegt werden. Wie unterscheidet sich die Organisation der Abfallwirtschaft? Das war die Ausgangsfrage. Verglichen wurden die Städte Darmstadt, Kassel, Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach. Betrachtet wurden die Jahre 2010, 2011 und 2012.

Ein Teil der Untersuchungen beschäftigte sich mit den jeweiligen Kosten für Entsorgung beziehungsweise Verwertung der unterschiedlichen „Abfallfraktionen“ als Bestandteil der Gebührenkalkulationen. In Offenbach ergeben sich die Entsorgungskosten für Restmüll aus dem Vertrag zur Rhein-Main-Abfall-GmbH (RMA), der 1998 abgeschlossen wurde und noch bis 2023 läuft. Dezernent Schneider und Geschäftsführer Patsch räumen ein, dass die vereinbarten Verbrennungsgebühren mit derzeit 239,50 Euro pro Tonne vergleichsweise hoch erscheinen: Doch decke der Preis auch die Sicherung von Entsorgungskapazitäten, die Steuerung abfallwirtschaftlicher Maßnahmen im RMA-Gebiet, die Schadstoffsammlung oder auch die Nachsorge für geschlossene Deponien ab. Vor dem Bioabfall nehmen seit Jahrzehnten viele andere ehemalige Bestandteile des Restmülls den Weg in die Verwertung.

Hier liegt der Müll auf den Straßen

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

So wurden in den Neunzigern der Gelbe Sack und die Papiertonne in Offenbach eingeführt, um Verpackungen mit dem Grünen Punkt und Papier separat zu sammeln. Mit Blick auf Gebühren unterscheidet sich das gesammelte Altpapier vom gesammelten Bioabfall dahingehend, dass hier keine Kosten für die Entsorgung entstehen, sondern Erlöse erzielt werden. Die lagen in den jüngsten Jahren zwischen 50 und 90 Euro pro Tonne.

(tk)

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