Nie verwirklichte Gebäude zieren Offenbach-Kalender

Symbole des Aufschwungs

Aus der Serie „Ungebautes Offenbach“: Für den Stadthof war dieses repräsentative Haus geplant.

Offenbach - Acht Kartons, die Anfang des Jahres von der . stadteigenen Erschließungs- und Entwicklungs-Gesellschaft (EEG) ins Stadtarchiv wanderten, bargen nicht nur viel Papier, sondern einen Schatz von architektonischen Ideen.

Vor Stadtarchivarin Anjali Pujari und ihren Mitarbeitern breiteten sich Offenbacher Ansichten aus, die sich hätten bieten können, hätte nicht der Erste Weltkrieg die schönen Pläne zunichte gemacht: Es sind teils beeindruckende, fein säuberlich gezeichnete Entwürfe von Stadtbaumeistern und Architekten aus der Zeit nach 1900, als wirtschaftlicher Aufschwung die Entwicklung Offenbachs bestimmte.

Pompöser Ausdruck einer aufstrebenden Stadt: Wo heute IHK und Ledermuseum stehen, sah Stadtbauinspektor Otto Sander 1914/16 diesen Palast vor.

Gesetzt den Fall, es wäre keine weltgeschichtliche Katastrophe dazwischen gekommen, dann hätte Offenbach heute möglicherweise kein zwiespältig aufgenommenes, wiewohl mittlerweile denkmalgeschütztes Betonhochhaus am Stadthof, sondern einen um die Stadtkirche herum bis zur Herrnstraße reichenden Stadthaus-Komplex mit 40 Meter hohem Turm an der Frankfurter Straße. Oder dort, wo tatsächlich aus dem städtischen Lagerhaus das Ledermuseum wurde, ein noch prunkvolleres Rathaus mit 50-Meter-Turm.

Der entsprechende Entwurf des Stadtbauinspektors Otto Sander ziert den Titel, die Stadthaus-Variante aus dem Jahr 1912 das März-Blatt des 2014er Kalenders der Druckerei Berthold. Denn die geborgenen Schätze bereichern nicht nur die Archivbestände – eine Auswahl soll auch interessierte Offenbacher erfreuen. Wie schon in vergangenen Jahren haben Anjali Pujari und Berthold-Chef Stefan Gey ein Kalenderprojekt aufgelegt. Günter Scheib, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv, hat den Inhalt der EEG-Kartons gesichtet, sortiert und inventarisiert. Dabei fielen ihm auch Pläne in die Hand, die niemals realisiert werden konnten.

Neben drei Rathaus-Entwürfen gehören dazu unter anderem ein Theater-Neubau zwischen Kirchgasse und Mainstraße, der das 1907 wegen Einsturzgefahr geschlossene Fürstlich Ysenburgsche Komödienhaus ersetzen sollte, und verschiedene Entwürfe für die neue Synagoge. Ebenso entdeckte Scheib Originale für Schlachthof, Armenhaus, 24-Klassen- und Kleinkinderschule oder eine Badeanstalt für Bürgel. Der Kalender mit 13 dieser Ansichten ist ab sofort für 15 Euro (10 Euro fließen in ein Projekt des Stadtarchivs) erhältlich im Offenbacher Buchhandel und bei der Druckerei Berthold (Bettinastraße 77).

tk

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