Nach der Fastnacht

Fastenzeit hat viele Aspekte

Offenbach - Heute ist sie vorbei, die Fastnacht. Wie schon im Wort drin steckt, ist es der Vorabend vor dem Fasten – mittlerweile auf mehrere närrische Tage ausgedehnt. Von Veronika Schade 

Vor der 40-tägigen, kirchlichen Fastenzeit (dazu Infokasten) darf nochmal richtig „die Sau rausgelassen“ werden. Bis zum Karsamstag ist nun Zurückhaltung angesagt.

„Es braucht eine Zeit zum Freuen und Feiern, und es braucht eine Zeit der Stille, der Besinnung und des Verzichts“, sagt Pfarrer Andreas Puckel der Bürgeler Gemeinde St. Pankratius. „Feste Zeiten und Rituale sind wichtig, um unsere Lebenszeit sinnvoll zu gestalten.“ Und längst beschränkt sich Fasten nicht auf Essenreduzierung.

„Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, weiß Joachim Bundschuh, Pfarrer der evangelischen Stadtkirche. Auto, Internet oder Handy – als Leiter einer Fastengruppe in seiner Gemeinde kennt er die Dinge, ohne die Menschen auszukommen versuchen: „Der Klassiker ist Alkohol, danach kommen Süßigkeiten. Raucher probieren es mit Nikotinverzicht.“

Fasten sei die Zeit des Innehaltens, Hinterfragens und Besinnens. „Punkte bei Gott bringt es nicht ein“, warnt er vor falschen Beweggründen. „Aber wer sich selbst findet, kommt auch Gott näher.“

Die wichtigen Dinge des Lebens

Die Fastenzeit ist die 40-tägige Vorbereitungszeit der Kirche auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten. Sie wird auch österliche Bußzeit genannt. Beginn ist mit dem Aschermittwoch und Ende mit dem Karsamstag. Insgesamt umfasst sie 46 Kalendertage; allerdings sind die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen, da an jedem Sonntag in der Kirche die Auferstehung gefeiert wird. Charakteristisch für die Zeit sind Tauferinnerung und -vorbereitung sowie Fasten und Buße. Neben dem Aschermittwoch ist nur Karfreitag bei Katholiken als strenger Fastentag vorgeschrieben. - vs

Dabei ist die Entsagung kein Selbstzweck. Wesentlicher Gedanke ist, etwas Gutes zu tun – für sich und andere: „Das kann auch der Vorsatz sein, einmal wöchentlich die Schwiegereltern zu besuchen, auch wenn man sie vielleicht nicht so mag“, schmunzelt Bundschuh. Im besten Fall profitiere nicht nur der Einzelne, sondern eine ganze Gemeinschaft. „In unserer Gruppe sammeln wir am Ende eine große Spende für einen wohltätigen Zweck“, regt er zur Nachahmung an. Das durchs Fasten Ersparte als Almosen zu geben, ist auch in der katholischen Kirche fest verankert. Puckel verweist auf die biblische Dreischrift „Teilen – Beten – Fasten“.

Fasten solle aufmerksam machen auf die wichtigen Dinge des Lebens. „Es tut gut, den Druck der ständigen Erreichbarkeit zu durchbrechen“, spricht sich Puckel für „Handy-Fasten“ aus: „Es passiert nichts Schlimmes, wenn ich nur einmal wöchentlich in Facebook gehe. Auf einmal merke ich: Da ist Zeit, die ich sinnvoll gestalten kann.“ Und der persönliche Kontakt rücke, so Bundschuh, wieder in den Vordergrund. Einen ähnlich positiven Effekt habe die Fernseh-Reduktion.

Bilder vom Umzug durch Bürgel

Narren ziehen durch Bürgel

Selbst für die Umwelt könne fastend etwas Gutes getan werden – Stichwort Autofasten. Zum 17. Mal rufen die Kirchen innerhalb einer ökumenischen Initiative dazu auf. „Natürlich wird das die große CO2-Belastung nicht verhindern, aber eine kleine Auswirkung hat es doch“, ist sich Bundschuh sicher – und verzichtet selbst die nächsten sieben Wochen aufs Auto. Und sein Kollege? „Auf Alkohol und Schokolade.“

Bilder vom Umzug durch Bieber

Fastnachtsumzug in Bieber

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