Penny an der Berliner Straße hat keine weiteren Stockwerke

Verzicht auf neuen Wohnraum

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Mit dem Neubau verfügt das Einzelhandelsunternehmen Rewe inzwischen über sechs Supermärkte in Offenbach.

Offenbach - 800 Quadratmeter umfasst die Verkaufsfläche des neuen Penny-Marktes in der Berliner Straße 256 – im Unterschied zu anderen Neubauten des Mutter-Unternehmens Rewe verfügt er jedoch nicht über zusätzliche Stockwerke mit Mietwohnungen. Aus Sicht der Stadt ein zweischneidiges Schwert. Von Marian Meidel

Hohe Decken auf rustikalen Holzträgern, teilverputzte Wände, unter denen rötlich-braun das Mauerwerk hervorscheint, und altmodische Lüftungsrohre als Dekoration – chic ist er, der neue Penny-Markt an der Berliner Straße. „Er soll ein Gefühl vermitteln, das man früher oft in Lebensmittelmärkten hatte, das jetzt aber nicht mehr da ist“, erklärt Penny-Gebietsleiter Udo Höflein. „Es soll ein Einkaufserlebnis werden.“ Dreieinhalb Jahre war der 2,5 Millionen Euro teure Bau in der Planung, fünf Monate hat es gedauert, ihn zu errichten. Eines fällt dabei sofort ins Auge: Im Gegensatz zu anderen Neubauten des Mutter-Unternehmens Rewe verfügt der Supermarkt lediglich über ein einziges Stockwerk. Zusätzliche Geschosse mit Mietwohnungen, wie sie beispielsweise bei einem Rewe-Markt in Heusenstamm zu finden sind, sucht man hier vergeblich.

„Wohnbebauung kommt für uns nicht mehr in Frage“, erklärt Grundstückseigentümer Willi Rau. Das gebe nur Ärger. „Als Vermieter gehören Sie nach den Arbeitgebern zu den rechtelosesten Menschen dieser Republik. Deswegen machen wir nur noch Gewerbebau.“ Der Stadt habe das nicht gepasst, sagt er. „Den Markt wollte man von Anfang an verhindern.“ Das habe schon damit begonnen, dass er eigentlich nur einen Antrag für einen Umbau eingereicht habe, dann aber ein Neubau daraus gemacht worden sei. „Der alte Gebäudekörper, der letzten Endes abgerissen wurde, hat genau die gleichen Dimensionen wie der jetzige“, so Rau. „Das hat für die Stadt den Vorteil, dass sie 200.000 Euro dafür kassieren konnte, dass sie die Grenzbebauung neu genehmigt.“ Zudem habe sie – erfolglos – darauf gepocht, dass die Straßenfront geschlossen werde. Nun liegen die Auseinandersetzungen in der Vergangenheit, und der Penny-Markt steht. Das angrenzende Mehrfamilienhaus, das ihm ebenfalls gehört, hat Rau im Zuge der Arbeiten sanieren lassen.

„Es war nie Ziel, das Vorhaben zu verhindern“, betont Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Obwohl die Stadt natürlich Interesse daran habe, dass Wohnungen entstehen. „Das ist die Crux an der Sache: Solange es sich nicht um städtische Grundstücke handelt, haben wir keine Möglichkeit, einzugreifen.“ Bei privaten Bauvorhaben auf privaten Grundstücken sei die Stadt auf den guten Willen oder auch das wirtschaftliche Interesse von Bauherren am Wohnungsbau angewiesen. Den Penny-Markt an der Berliner Straße ohne Mietwohnungen zu errichten, sei absolut zulässig. „Vorher war dort ja auch nur gewerbliche Nutzung“, so El Cheikh. „Aber wenn man sich dort Wohnungen gewünscht hat, ist der Neubau keine Verbesserung.“ In positiverem Licht sieht er den Supermarkt im Hinblick auf die Nahversorgung. „Gerade, wenn man an die Bauprojekte Vitopia und Goethequartier in der Nähe denkt – der Bedarf ist da.“

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Seit gestern hat der neue Penny-Markt in der Berliner Straße 256 geöffnet. Auf der 800 Quadratmeter großen Verkaufsfläche stehen den Kunden knapp 2500 unterschiedliche Produkte zur Verfügung. Auch, wenn in Ermangelung neu gebauter Wohnungen keine weiteren Anwohner hinzukommen – die bestehenden wollen die Penny-Planer möglichst wenig mit frühmorgendlichem Warenanlieferungs-Lärm belästigen. „Wir haben dafür eine Schleuse eingerichtet“, erklärt Udo Höflein. Ausgeladen werde erst, wenn die entsprechenden Lkw sich im Innern befinden und das Lärmschutz-Tor hinter ihnen geschlossen ist. „Im Schlafzimmer hört man nichts.“

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