Vhs bietet Computerkurs für Senioren

Einblick in eine ganz neue Welt

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Konzentriert wagen die über 70-Jährigen die ersten Schritte am Computer und im Internet.

Offenbach - Jürgen Burmeister schaut gebannt auf den Bildschirm. Vorsichtig bewegt er die Maus, versucht, im Malprogramm einen Kreis zu zeichnen. Klicken, Taste gedrückt halten, über die freie Fläche ziehen – gar nicht so einfach. Zu früh losgelassen. Nochmal von vorn. Von Veronika Schade

Ähnlich geht es Ursula Hennrich. „Die Maus macht was anderes, als ich will“, sagt sie. Doch sie gibt nicht auf. Denn die 80-Jährige und ihre 14 Mitstreiter haben ein klares Ziel vor Augen: lernen, mit dem Computer und Internet umzugehen.

Einen PC-Kurs speziell für Leute ab 70 bietet die Volkshochschule Offenbach gestern zum ersten Mal. Und trifft damit ins Schwarze. „Wir hatten so viele Anmeldungen, dass wir noch einen zweiten Termin gemacht haben, und auch der Kurs ist schon voll“, freut sich Programmbereichsleiterin Claudia Rehe.

„Digitaler Analphabet“

„Heute braucht man wirklich einen Internetzugang, als digitaler Analphabet ist man ausgeschlossen“, erklärt Kursleiter Rupert Steegmüller das große Interesse. Zum Einstieg gibt er einen Überblick über die schier unbegrenzten Möglichkeiten des weltweiten Netzes, filtert jene heraus, die für die ältere Generation relevant sein können. Etwa, wie Begriffe oder Personen gesucht werden oder ein kostenloses E-Mail-Konto einzurichten ist.

Wenn nur die Seiten nicht so unübersichtlich wären. „Es ist anfangs schwer zu erkennen, was alles überhaupt wichtig und was Werbung ist“, sagt Steegmüller und erntet allgemeine Zustimmung. „Wer damit aber regelmäßig umgeht, bekommt einen Blick dafür.“ Ob man die Reklame nicht rausschmeißen könne, fragt eine Teilnehmerin. Der Kursleiter vergleicht es mit den Werbeprospekten in der Zeitung: „Sie bekommen sie, müssen sie aber nicht lesen.“

Wissen, wie das Wetter wird

Wer wissen will, wie das Wetter wird, oder sich Kießlings Phantomtor auf Video anschauen möchte, kann dies im Internet ebenso tun wie einkaufen, Preise vergleichen oder nach Bahnverbindungen schauen. Die Senioren staunen, sind aber noch lange nicht so weit. Noch hapert es bei den meisten an der grundlegenden Bedienung des Rechners. Wo ist überhaupt der Einschaltknopf? Welche Maustaste soll gedrückt werden, wie lange, und wann kommt der Doppelklick? Wo findet sich was auf der Tastatur?

„Ich war jahrelang in der Verwaltung tätig, arbeitete aber nur mit einem bestimmten Programm“, erzählt Helga Weiße. Zuhause nutzte sie den Computer bisher überhaupt nicht. Ihr Mann dagegen kannte sich damit aus, speicherte Fotos und Musik. „Er ist verstorben. Ich mache den Kurs, damit ich Zutritt bekomme zu dieser Welt, die er mir hinterlassen hat.“ Auch will sie am PC Briefe schreiben. Dem Internet gegenüber aber bleibt sie skeptisch. „Das bringt mir nichts.“

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Anders sieht es Jürgen Burmeister. „Ich habe erkannt, dass ich ein urzeitliches Monstrum bin“, schmunzelt der 74-Jährige. Er will nicht immer seine Freunde damit beauftragen, für ihn im Internet zu recherchieren; außerdem hat er ein Enkelkind in Österreich, mit dem er auf diese Weise Kontakt halten möchte. „Die Hardware bekomme ich geschenkt, und danach habe ich die feste Absicht, meine Umgebung mit Fragen zu quälen.“

Bisher gar keinen Umgang mit Computern hatte Ursula Hennrich. Auch jetzt fühlt sie sich vorm Bildschirm mit der Maus in der Hand „grauslich“: „Identifizieren kann ich mich damit noch nicht.“ Doch sie ist fest entschlossen, sich daran zu gewöhnen – schließlich steht mittlerweile ein PC zuhause, und sie will „mitreden können“. Sie empfindet es als Nachteil, sich nicht im Internet auszukennen. „Dabei ist da ja alles drin!“ Dass sich der Vhs-Kurs speziell an über 70-Jährige richtet, hat sie zur Teilnahme ermutigt. „Da können wir uns nicht so blamieren.“ Auch mit 80 könne sie nicht untätig rumsitzen. „Ich habe ja viel Zeit zum Lernen.“

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