Motorradfahrer Marcel Alves Rodrigues

Mit viel Bodenhaftung

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Marcel Alves Rodrigues legt sich mit seiner KTM in eine Kurve.

Rumpenheim - Die Aussage hat etwas von entwaffnender Offenheit: „Der Straßenverkehr ist mir zu gefährlich. Da fahre ich nicht. “ Folgerichtig hat Marcel Alves Rodrigues keine Fahrerlaubnis für ein Motorrad. Dabei gibt der 17-Jährige richtig Gas – auf Rennstrecken. Von Martin Kuhn

Am Wochenende drehte er mit einer 125-ccm-Maschine Runde um Runde auf dem Sachsenring. Der Rumpenheimer startet in einer Serie (Moto3) der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM), national die höchste Klasse im Motorradrennsport. Sie gilt als Sprungbrett in die Weltmeisterschaft.

Der erste Gedanke: Dieser junge Mann hat Benzin im Blut. „Nein“, lacht Mama Heike, „keiner in unserer Familie hatte vorher irgendetwas mit Motorradrennsport zu tun.“ Aber sehr wohl mit Motoren. Die Familie hat eine eigene Kfz-Werkstatt. Animiert zum schnellen Sport hat den damals elfjährigen Marcel ein Fernsehbericht über den sogenannten ADAC Mini Bike Cup. Seine spontane Reaktion: „Das will ich auch machen.“ Also hat sich die Familie im Internet informiert, wo und wie er diesen Sport in der Nähe ausüben kann.

Der Rumpenheimer mit Rennkombi, aber ohne Helm. 

Bei ihrer Recherche ist Heike Rodrigues auf den Youngster Cup des ADAC Hessen-Thüringen gestoßen. Nach einer Probefahrt hat sie Marcel angemeldet. Vorteil für die Einsteiger: Der ADAC Hessen-Thüringen stellt die Mini-Bikes und die Lederkombis gegen eine geringe Gebühr bereit. Aber schon im zweiten Jahr kauft die Rumpenheimer Familie Marcel ein eigenes Mini-Bike. Kosten: 3000 Euro. Zum Training geht’s auf eine Kartstrecke nach Schaafheim, zur Reparatur der nicht sehr wartungsintensiven Maschinen in die eigene Werkstatt, wo der Papa eifrig schraubt.

Das Mini-Bike hat mit 50 ccm Hubraum eine Leistung von 8 PS. Marcels beste Gesamtplatzierung: Platz fünf. Vor drei Jahren steigt Rodrigues auf eine 125-ccm-Zweitakter mit 45 PS. Das zahlt sich sofort aus. Marcel wird im ersten Jahr Internationaler Zweitaktmeister beim Deutschen Rundstreckencup. Ein Jahr später folgt der bislang finale Sprung in die IDM.

Keine Chance für Privatfahrer

Eine schwierige Zeit. Marcel verzeichnete viele Ausfälle wegen technischer Defekte. Mittlerweile startet der Rumpenheimer für das Freudenberg Racing Team. Das hat jahrelange Erfahrung im Rennsport. Denn beim Motorradsport gilt: Als Privatfahrer bist du chancenlos.

Geneigte und begeisterte Laien kennen es aus der medial omnipräsenten Formel 1: Der Laptop ist in der Boxengasse absolutes Muss. Und bereits in der Moto3-Klasse werden alle elektronisch gesammelten Daten ausgelesen, bewertet und mit dem Fahrer besprochen. Das Freudenberg Racing Team hat die gesamte Technik und die notwendige Erfahrung. Florian Alt, Toni Finsterbusch und auch ein Dominique Aegerter, die jetzt im Moto GP auf die Piste gehen, sind für das Team gefahren. Es ist dennoch ein kostspieliger Sport. Pro Saison kommt schnell ein hoher fünfstelliger Betrag zusammen – Nenngebühren, Trainingsläufe, Sturzteile.

Einen Bericht übers die jüngsten Läufe zur IDM sendet Sport1 am Freitag, 13. September, um 12 Uhr.

Obwohl der Sport sehr zeitaufwendig ist, macht Marcel eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker – in der Familien- Werkstatt. „Somit gibt es keine Probleme, wenn wir zum Rennen oder zum Training müssen.“ Trotzdem ist Marcel (Hobbys: Fitness, Musik, Radfahren) schon in seiner Schulzeit einer der Besseren gewesen. „Auch in der Ausbildung macht er sich hervorragend“, lobt Heike Rodrigues, die die Fahrer-Zukunft ihres Sohnes nicht gesichert sieht: „Leider ist es uns bisher noch nicht gelungen, einen Sponsor zu finden.“ Sollte das auch für das kommende Jahr nicht gelingen, müsste Marcel aufhören, „gerade jetzt, wo es so gut läuft und er die besten Chancen auf den Sprung nach ganz oben hat“.

Wie’s am Saisonende aussieht, entscheidet sich auf dem Hockenheimring (20. bis 22. September) und dem Lausitzring (11. bis 13. Oktober).

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