Viel Deutsch mit viel Spaß

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Bitte nicht stören! Das Lesen ist fester Bestandteil des „Deutschsommer“-Konzeptes. 45 Offenbacher Drittklässler werden in den großen Ferien in den Genuss des Programms kommen.

Offenbach ‐ Für 45 Offenbacher Drittklässler wird der Unterricht in den Sommerferien einfach noch drei Wochen weitergehen. Und falls alles so läuft, wie es das Konzept des gestern vorgestellten Projektes „DeutschSommer“ vorsieht, wird ihnen das nicht mal auffallen. Von Marcus Reinsch

Zumindest nicht unangenehm. „DeutschSommer“ ist ein Ausflug in die Grundlagen der deutschen Sprache, verpackt in eine „Klassenfahrt“.

So läuft‘s: Der von Lehrern für die Teilnahme empfohlene Nachwuchs wird an jedem Tag der ersten Ferienwoche morgens mit dem Bus nach Büdingen und abends wieder zurück gebracht. In der Büdinger Jugendherberge gibt es jeweils zwei Stunden Deutschunterricht, zwei Stunden sprachintensives Theaterspiel und, nachmittags, Workshops, Spiele, Lektüre mit viel Deutsch und viel Spaß. Elf speziell geschulte Pädagogen sind mit dabei. Für die zweite und dritte Ferienwoche werden Koffer gepackt; die Neunjährigen übernachten dann wochentags auch in Büdingen. Zurück kehren sie im Idealfall so, wie es Hessens Kultusministerium Dorothea Henzler vergangenes Jahr bei Frankfurter Kindern beobachtet hat: „Sie waren nicht nur sicherer im Umgang mit der deutschen Sprache, sie waren auch selbstbewusster und stolz.“

Es gibt zu viele Kinder, deren Deutsch nicht ausreicht

Das Programm - 2007 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt aus Erkenntnissen des Bremer Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung weiterentwickelt - soll Schule machen. Dass Offenbach da an vorderster Front stehen will und muss, erklärt sich aus der Bevölkerungsstruktur. Jedes zweite Kind hier, ob mit deutschem oder anderem Pass, hat einen Migrationshintergrund. Der Anteil wächst. Offenbach ist eine der wenigen Städte der Republik, die nichts zum Bevölkerungsschwund beiträgt. Eigentlich werden hier sogar so viele Kinder geboren, dass Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß „nicht nur alte Schulen sanieren, sondern neue bauen lassen“ muss. Im Nordend zum Beispiel.

Demographisch ist die Zuwanderung ein Segen, bildungspolitisch indes ist sie ein Problem. Es gibt zu viele Kinder, deren Deutsch nicht ausreicht, um ihr Potenzial voll nutzen zu können. Obwohl ihre Eltern schon vor Jahren nach Offenbach gekommen sind. Auch die sollen mit dem Programm erreicht werde. Es gibt Anschreiben, Formulare, Elternabende, weitere Chancen, Vertrauen aufzubauen. Aber im Mittelpunkt steht der Nachwuchs. „Wenn der die Lehrerin nicht von Anfang an gut verstehen kann, wird er nicht mit Spaß in die Schule gehen“, warnte Hessens Kultusministerium Dorothea Henzler gestern im Offenbacher Rathaus. Abhilfe schaffen soll das Sprachförderprogramm, das neben der Sprachkompetenz auch Persönlichkeiten formen soll.

Rund 100.000 Euro wird der „DeutschSommer“ kosten

Finanziell ist das ein Kraftakt. Rund 100.000 Euro wird der Offenbacher „DeutschSommer“ in diesem Jahr kosten, inklusive einer einwöchigen Nachschulung für bis zu 15 Kinder im Winter. Die Eltern selbst müssen nur 45 Euro zahlen, alles inklusive. Den Großteil des Restes teilen sich die Stadt, das Land und die in Frankfurt und Offenbach wirkende Dr. Marschner-Stiftung. Die Deutsche Bank-Stiftung, auch schon im Frankfurter Projekt engagiert, legt nochmal 18.000 Euro drauf. Staatliches und Stadtschulamt, Volkshochschule und andere unterstützen die Sache. Und die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt überträgt ihre wertvollen Erfahrungswerte. Einer davon ist dem Stiftungsvorsitzenden Dr. Roland Kaehlbrandt zufolge, dass 25 bis 38 Prozent der Drittklässler am Ende des „DeutschSommers“ in eine bessere Kategorie aufgestiegen sind. Das bezieht sich auch und vor allem auf das „Bildungsdeutsch“, das ein Schüler zum Beispiel braucht, um Textaufgaben in Mathe überhaupt erstmal richtig zu verstehen.

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