Viel Frohsinn in Bieberer Farben

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Halb Bieber ist am Samstag auf den Beinen, als sich der Fastnachtsumzug kurz nach 14.11 Uhr am Bahnhof in Bewegung setzt.

Offenbach ‐ Die größte Gruppe kommt fast zum Schluss und macht sich ganz klein. In gelben Kittel und mit grünen Zipfelmützen auf den Köpfen ziehen die rund 80 Zwerge der katholischen Jugend durch die Straßen Biebers. Von Denis Düttmann

Aus den Boxen des Wagens schallt der Höhner-Klassiker des Kölner Karnevals „Echte Fründe ston zesamme“ und ein junger Mann verteilt mit charmanter Geste Blumen an die Damen am Straßenrand. Halb Bieber ist am Samstag auf den Beinen, als sich der Fastnachtsumzug kurz nach 14.11 Uhr am Bahnhof in Bewegung setzt. Die Kinder strecken sich nach Bonbons und Gummibärchen, die in hohem Bogen ins Publikum fliegen, die Erwachsenen greifen eher nach den kleinen Likören, der ihnen vom Wagen hinunter gereicht wird. Genauso bunt wie im Zug geht es auch auf den Bürgersteigen zu. Ein Engel schiebt ihr kleines Teufelchen im Kinderwagen in eine gute Position. Zwei Ninja-Kämpfer machen Jagd auf Kamellen und eine russische Generalin empfängt die Karnevalisten mit lautem Tröten.

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Viel Frohsinn in Bieberer Farben

Auf der Straße tummeln sich zwischen dem Fahnenträger des Heimatvereins an der Spitze und den Müllwerkern der ESO am Ende der Parade Moorgeister und Aliens, Mexikaner und Clowns, Hexen und Zauberer. Einen Hauch Exotik verbreiten die Japaner in ihren Kimonos, eine Spur Patriotismus bringen hingegen die Clowns der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht in ihren schwarz-rot-goldenen Kostümen mit.

Die Bieber Jumpers der TGS trotzen der Kälte mit reichlich Bewegung: Als Katzen üben sie sich inmitten des Zugs in rhythmischem Seilspringen und stellen damit neben den gleich darauf folgenden Einradfahrerinnen der RV Germania/OBC und den Rhönrad-Mäusen der TGS die wohl sportlichste der insgesamt 31 Gruppen. Wer sich viel bewegt, muss sich auch gesund ernähren. Ein vitaminreiches Kontrastprogramm zu all den Süßigkeiten und Alkoholika, die die Narren üblicherweise an die Zuschauer verteilen, hat die Affenbande des Bieberer Gewerbevereins im Gepäck: Die Einzelhandelsprimaten reichen frische Bananen.

Ob Gärtner oder Ameisen, Zugvögel oder Fußball-Fans – die meisten Gruppen zeigen zwar viel Spaß an aufwändigen Verkleidungen, aber nur wenig Lust zur Kommentierung des Zeitgeschehens. Dafür sind wohl auch in Bieber am ehesten noch die Parteien zuständig. Während sich die SPD an der Hotelier-Spende für die FDP delektiert - „Westerwelle feist und dick, futtert zu viel Mövenpick“ - legt die CDU genüsslich den Finger in die lokalpolitische Wunde des Oberbürgermeisters und erinnert Horst Schneider mal wieder an die versehentlich gefällten Bäume auf dem Wilhelmsplatz. Der hält lieber ein bisschen Abstand und schreitet als würdevoller Ratsherr mit schwarzem Mantel und schwerer Amtskette die Strecke ab. Ganz kann der Verwaltungschef dann wohl doch nicht aus seiner Haut, denn eigentlich sind zur Karnevalszeit doch die Narren die wahren Herrscher der Stadt.

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