Viel geguckt, wenig gekauft

Offenbach ‐ Nur noch heute locken weihnachtliche Stände Kunden ins Hüttendorf in der Innenstadt. Danach wird die Bilanz wird wohl sehr durchwachsen ausfallen. Momentan bremst Matschwetter die Kunden, anfangs war’s zu warm, und als es dann winterlich wurde, hätte es ruhig ein bisschen weniger sein dürfen. Bei minus dreizehn Grad half auch der heißeste Glühwein nicht mehr. Von Denis Düttmann

Wer nicht unbedingt ins Freie musste, blieb lieber im Warmen. „Das Wetter hat uns in diesem Jahr ganz schön übel mitgespielt“, stöhnen viele Händler des Weihnachtsmarkts.

Natalie Eiserloh

Wir sind ganz zufrieden, obwohl das Wetter natürlich hätte besser sein können“, sagt etwa Natalie Eiserloh von der Futterkrippe im Stadthof. „Wir sind in diesem Jahr mit einer neuen Hütte da - diese Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Die Unternehmerin begrüßt auch das Engagement des Betreibers Pro-OF. „Die neue Dekoration mit den beleuchteten Christbäumen zwischen den Buden sorgt für mehr weihnachtliche Stimmung“, so Eiserloh.

Auch Marion Bertsch ist recht zufrieden, obwohl sie rund 20 Prozent weniger Umsatz als im vergangenen Jahr gemacht hat. „Für das schlechte Wetter kann man ja schließlich niemand verantwortlich machen“, sagt sie. Zum Glück habe sie viele Stammkunden, die gezielt an den Stand kämen, um ein Knobi-Brot zu essen.

Brigitte Fries

Für Brigitte Fries vom Candela Shop ist es noch zu früh, um ein Resümee zu ziehen: „Erfahrungsgemäß verkaufen wir in den letzten Tagen am meisten. Wenn die Kunden kurz vor Heiligabend nach ein paar Kleinigkeiten für Weihnachten suchen, nehmen sie oft noch eine schöne Kerze von uns mit.“ Bislang ist sie mit dem Umsatz aber ganz zufrieden. Fries: „Natürlich verdient man mit Kunsthandwerk nicht soviel wie mit Glühwein und Würstchen. Vielleicht sollte man in Zukunft darüber nachdenken, den Anbietern von Dekoration und Kunst günstigere Konditionen einzuräumen, damit sich der Weihnachtsmarkt auch lohnt.

Josef Faron

Josef Faron hat in seiner ersten Saison in Offenbach nicht viel verkauft, der Großteil seiner Heiligenfiguren, Weihnachtsmänner und Krippen steht noch in der Auslage. „Die Leute schauen sich bei mir um und sagen, dass ihnen meine Holzschnitzereien sehr gut gefallen“, sagt der Pole. „Aber leider kaufen sie meistens nichts.

Der Mann aus Wroclaw spricht damit ein grundsätzliches Problem an, das auch den Marktbetreibern von Pro-OF durchaus bewusst ist. „Alle wollen möglichst viele Stände mit Kunsthandwerk auf dem Weihnachtsmarkt, aber kaum jemand kauft etwas bei ihnen“, sagt Klaus Kohlweyer. Um den Kostendruck der Beschicker ein wenig abzumildern, will er ausgewählten Anbietern hochwertiger Gebrauchskunst im kommenden Jahr unentgeltlich Hütten zur Verfügung stellen. Bis Ende Januar 2010 läuft die Ausschreibung - dann wird sich zeigen wie viele Buden gebraucht werden. Kohlweyer: „Wir wollen den Kunsthandwerkern damit den Weg ebnen und sie nach Offenbach locken. Ob sie hier dann aber tatsächlich gute Umsätze erzielen, das entscheidet der Markt.

Obwohl auch der Pro-OF-Sprecher den durchschnittlichen Umsatzrückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr auf 15 bis 20 Prozent taxiert, wähnt er sich mit den Neuerungen auf dem richtigen Weg: „Durch eine sorgfältigere Auswahl der Beschicker und das neue Dekorationskonzept ist es uns gelungen, den Markt insgesamt weihnachtlicher zu gestalten.

Rubriklistenbild: © Georg

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