Eine Erfolgsgeschichte

Viel Lob für das Gemeinschaftsprojekt Jumina

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Alim Besli (Ernst-Reuter-Schule), Evrim Gültekin (Albert-Schweitzer-Schule) und Behros Haider (Friedrich-Ebert-Schule Mühlheim) berichten Kultusminister Alexander Lorz, wie sie vom Integrationsprojekt Jumina profitiert haben. Der Minister sieht die Offenbacher in einer Vorreiterrolle.

Offenbach - Kultusminister Alexander Lorz hat sich gestern an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ein Bild vom Integrationsprojekt Jumina gemacht. Die Macher lobte er als Vorreiter. Von Christian Wachter

Die Liste der Personen, bei denen sich Franco Marincola vom CGIL-Bildungswerk bedankt, ist lang: Kultusminister Alexander Lorz, Vertreter von Bundespolizei und Manroland, Peter Bieniussa (Staatliches Schulamt) und viele Rektoren und Schüler gehören dazu. Sie alle, so Marincola, hätten dazu beigetragen, dass die Geschichte von Jumina eine so erfolgreiche sei. Jumina, das bedeutet „Junge Menschen in Ausbildung“ und ist die unübliche Kooperation zwischen einem gemeinnützigen Bildungsträger, dem CGIL-Bildungswerk, und dem Schulamt. Sie besteht seit 2005 und implementiert seit 2014 das Projekt „Schülerportfolio interkulturell“, das, wie berichtet, Schülern hilft, ihre interkulturellen Kompetenzen für den Arbeitsmarkt sichtbar zu machen.

Dass Peter Bieniussa immer viel an dem Projekt gelegen hat, bleibt Lorz nicht verborgen. Man habe bei seinem Vorredner gemerkt, wie viel Herzblut er in Jumina gesteckt habe, sagt der Kultusminister. „Das Projekt ist einzigartig, eine Erfolgsgeschichte“ , fügt er hinzu. Später hat Lorz die Gelegenheit, selbst zu zeigen, wie er seine Fähigkeiten in einem Portfolio aufarbeiten würde. Umringt von Schülern, Bundespolizist Markus Ritter, der Lehrerin Eleni Tsatsa von der ASS und Jumina-Lehrkraft Elisabetta Fortunato fragt ihn letztere, welche non-formalen Kompetenzen er als Jugendlicher hatte. Als Sohn zweier berufstätiger Eltern antwortet Lorz, habe er sich früh im Haushalt ausgekannt. Ein Praktikum bei der Bundespolizei, wie es der Schüler Alim Besli absolviert hat, hätte seinen Fähigkeiten aber nicht entsprochen.

Markus Ritter ist angetan von jungen Menschen wie Besli, der sich während der Arbeit am Portfolio für ein Praktikum bei der Bundespolizei entschied: „Es sind hochmotivierte Leute, die nicht nur ihre Stunden abarbeiten.“ Hochmotiviert wirken auch die beiden anderen Schüler auf der Bühne. Evrim Gültekin wurde von unserer Zeitung jüngst bei ihrem Praktikum in der Stadtverwaltung begleitet. Sie ist sich sicher: „Ich möchte später beruflich auch in diese Richtung“. Behros Haider von der Mühlheimer Friedrich-Ebert-Schule erzählt, wie ihn die Arbeit mit Jumina verändert habe. „Ich war ein schüchterner Schüler und unsere Klasse galt als Problemklasse. Durch die Portfolios haben wir uns besser kennengelernt, die Kommunikation ist jetzt viel besser.“ Heute ist er Schülersprecher und lässt sich vor großem Publikum keine Nervosität anmerken.

Abschlussfeier der Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern

Charakterzüge, die Fortunato fördern will: „Wir sprechen von Empowerment. Das meint, dass wir mit den Portfolios aus der Schule heraus auch einen Alltagsbezug schaffen wollen“. Für Lehrkraft Sharooz Mahdavi kann das auch bedeuten, sich mit Musik zu beschäftigen. So hat er beispielsweise zusammen mit Mariyan, Emin und Amine den Rapsong ausgearbeitet, den die drei Bachschüler auf der Bühne zum besten geben. „Es ist wichtig, etwas gegen die Schulmüdigkeit zu machen. Manche Schüler arbeiten nach Unterrichtsschluss an ihren Texten, bis der Hausmeister sie rauswirft,“ so Mahdavi.

Der dritten Jumina-Lehrkraft, Eleonora von Hanstein, ist es zudem wichtig, dass das Projekt eine Multiplikatorwirkung hat: „Es wäre schön, wenn Interkulturalität generell ein Thema in Schulen wäre.“ Eine Einschätzung, die der Kultusminister offensichtlich teilt. Gerade die Flüchtlingssituation mache deutlich, dass man sich auch Gedanken machen müsse, was auf den so essentiellen Spracherwerb folge. „Es ist Orientierungsarbeit nötig, um einen Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu schaffen. Jumina hat das vorbildlich gelebt“, so Lorz.

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