Viel Lob und Leckerlis

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Ganz schön auf Trab: Uwe Gründer zeigt beim Sommerfest des Polizei- und Schutzhundevereins, was sein Vierbeiner Mable kann.

Offenbach - Lang hingestreckt dösen ein paar Doggen und Boxer unter Schatten spendenden Bäumen und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ein Retriever beschnuppert unterdessen ziemlich neugierig eine Terrierdame. Von Harald H. Richter 

An den Tischen und Bänken, die am Rande des 7 000 Quadratmeter großen Areals am Bierbrauerweg aufgestellt sind, feiern die Mitglieder des 1. Hessischen Polizei- und Schutzhundeverein Offenbach mit Gästen ihr geselliges Sommerfest. Der rund 200 Mitglieder zählende Traditionsverein – vor 103 Jahren als erster seiner Art im damaligen Großherzogtum Hessen gegründet – pflegt auch an diesem Wochenende die Zusammengehörigkeit, besonders die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier. „Ob reinrassig oder Mischling, bei uns sind alle Hunderassen willkommen, und wir wollen ihren Besitzern Gelegenheit geben, ihr Tier unter kundiger Anleitung zu trainieren“, erklärt Vorsitzender Reinhard Chowanietz. Solchen Worten lässt Ehefrau Renate gleich darauf Taten folgen und in der Platzmitte ein knappes Dutzend Hundeführer mit ihren vierbeinigen Begleitern Aufstellung nehmen. Bei der Vorführung mehrerer Sozialisationsübungen sollen sie zeigen, worauf es beim Hundesport ankommt. Knappe Kommandos erschallen, Konzentration und Gehorsamkeit sind jetzt gefragt.

Kreative Trainingseinheiten, vor allem unter Anleitung von Karin Gründer, gehören zum Pensum, wobei regelmäßig Fitness, Selbstbewusstsein und Zusammengehörigkeit von Mensch und Hund verbessert werden. Michael Hübners Dobermann „Canny“ muss man in Sachen Disziplin und Gelehrigkeit kaum noch etwas beibringen, erworbene Befähigungen aber immer wieder trainieren. Bei einigen Anfängerhunden dürften Frauchen und Herrchen noch einige Zeit und Geduld investieren müssen, bevor ihr Bello einen auch nur annähernden Level erreicht hat, damit die tägliche Gassirunde oder der Auslauf in der Natur ein unbeschwertes Vergnügen ist.

Das Figurenlaufen ist eine gute Übung. „Dazu gehört, dass der Hund daran gewöhnt wird, einen anderen Vierbeiner nicht gleich anzubellen oder gar anzuspringen, wenn er ihm begegnet“, macht Chowanietz klar, der den Verein seit 2010 leitet. Der 66-Jährige besitzt selbst zwei Geschwisterhunde, die golden-rehbraunen Dobermann Bordeauxdoggen-Mischlinge „Caesar“ und „Cleopatra“. Die verfolgen das Geschehen ihrer Artgenossen auf dem Platz scheinbar unbeeindruckt. Das interessierte Publikum hingegen honoriert die Vorführung mit Applaus. Für die beteiligten Vierbeiner gibt es Lob und Leckerlis, was sie mit freudigem Schwanzwedeln danken.

Agility-Turnier in Obertshausen

Am Stand des Tierschutzvereins Offenbach bringen die beiden Jungs Stephen und Paul ausliegendes Informationsmaterial unter die Leute und werben fürs Tierheimfest am 7. September. Zwischen dem Hundesportverein und dem Tierheim bestehen seit etlichen Jahren freundschaftliche Kontakte, was sich in der gegenseitigen Teilnahme an Veranstaltungen ausdrückt. Pauls Großvater Andreas Franke etwa setzt sich seit 25 Jahren für das Wohlergehen der Kreaturen als fühlende Wesen ein und gibt seine Einstellung in Sachen Tierschutz nur allzu gern an den Enkel sowie andere Interessierte weiter.

Darauf ist auch der Polizei- und Schutzhundeverein Offenbach bedacht. „Einige unserer Mitglieder gehen regelmäßig in Schulen und Kindertagesstätten, um zum einen Mädchen und Jungen mögliche Ängste vor Hunden zu nehmen“, erläutert Chowanietz. „Zu anderen versuchen wir den Kindern zu vermitteln, dass ein solches Tier ein familienfreundliches Lebewesen und treuer Begleiter ist.“ Ihn, der dem Verein seit 15 Jahren angehört, freut es daher, dass immer wieder junge Menschen Interesse am Hundesport finden. „Unser jüngster Aktiver ist gerademal acht Jahre alt.“ Über Mangel an Zulauf braucht der Vorsitzende also nicht zu klagen, und eine langfristige Bestandsgarantie für das Gelände, auf dem man sich seit 1924 zu Hause fühlen darf, haben die Vereinsoberen auch unter Dach und Fach gebracht. „Der Erbpachtvertrag mit der Stadt Offenbach wurde kürzlich bis zum Jahr 2040 verlängert.“ Also dürfte auf dem satten Wiesengrün, unter dem sich nach wie vor die einstigen Eiskeller der Brauerei befinden, noch manches Sommerfest gefeiert werden – mit reichlich Speis und Trank für Mensch und Tier, guter Laune und gebührender Aufmerksamkeit für den Hundesport.

Treibball-Turnier der Hundefreunde Waldacker

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