„Viel leiser als bisher“

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Dort, wo nicht Anwohner die Straßen selbst reinigen müssen, lärmen derzeit die ESO-Laubbläser, um die Stadt von Laub zu befreien.

Offenbach - Es ist wieder soweit: Stolze 28.000 Bäume im Stadtgebiet, zumindest jene ohne Nadelgewand, lassen nach und nach ihre Federn oder, um auch hier genau zu bleiben, ihr Blätterwerk zu Boden. Von Fabian El Cheikh

Für die ESO-Mitarbeiter beginnt damit die alljährliche Hochsaison, die sich inklusive Winterdienst bis zum kommenden Frühjahr hinzieht.

Alle Hände voll zu tun haben sie bereits jetzt, um die Stadt von bis zu 800 Tonnen Laub zu befreien. Allein, ihr Werkzeug soll ihnen genommen werden. Zumindest nach dem Willen der regierenden Rathausfraktionen, die sich in ihren Koalitionsvertrag geschrieben haben: „Aus Gründen der Lärm- und der gesundheitlichen Belastung wird der Einsatz von Laubbläsern zügig und schrittweise reduziert.“

Was bislang nur eine politische Absichtserklärung darstellt, dürfte wie Musik in den Ohren vieler Bürger klingen, die sich über die kaum als angenehm zu bezeichnenden Klänge der Laubbläser ärgern. Gleichwohl kommt für den ESO ein Verzicht auf diese Geräte nicht in Frage, wie Pressesprecher Oliver Gaksch auf Anfrage unserer Zeitung deutlich macht: „Ohne technische Hilfsmittel bekommen wir die Laubmengen nicht in den Griff.“

Neben den Blasgeräten setzt der ESO Groß- und Kleinkehrmaschinen ein. Diese müssten in den kommenden Wochen teils dreimal so häufig zum Abladen zurück in den Bauhof als in den Sommermonaten. Das kostet Zeit. „Und wir sind gehalten, wirtschaftlich zu arbeiten, schließlich sind die Reinigungskosten in der Straßenreinigungsgebühr enthalten.“

Um ihrer Aufgabe schnell und effizient nachzukommen, werden die Teams der Straßenreinigung durch Mitarbeiter aus dem Grünwesen unterstützt. Ab 7 Uhr rücken sie gemeinsam aus, um 130 Kilometer Fahrbahnen und Gehwege im Stadtgebiet von Schmutz und Blättern zu befreien. Dabei sind die Laubbläser „ein unverzichtbares Hilfsmittel“, so der ESO. Ihr Einsatz stelle sicher, dass herumliegendes Laub schnell beseitigt werde, um die Gefahren vor allem für Fußgänger und Radfahrer bei Nässe zu minimieren. „Verkehrssicherheit geht im Zweifel immer vor.“

Weil der ESO aber die Lärmklagen der Anwohner ernst nimmt, hat der Eigenbetrieb der Stadt bereits im vergangenen Jahr für 7 000 Euro umgerüstet: auf neue Laubbläser, „die deutlich leiser sind als die alten“. Zehn bis 15 dieser modernen Geräte sind tagtäglich im Einsatz. „Zusätzlich haben wir unsere Mitarbeiter angewiesen, Wohngebiete in den Morgenstunden nach Möglichkeit zu meiden und Laubbläser nur einzusetzen, wo es unbedingt notwendig ist“, betont Gaksch. Er weist darauf hin, dass längst nicht nur der ESO Laubbläser benutzt. „Auch Hausmeisterbetriebe greifen mittlerweile darauf zurück.“ Und in einem großen Discounter waren die von vielen verteufelten Geräte kürzlich auch zu haben - ein Verkaufsschlager!

Vollständig zu Kehrbesen und Schippe zurückzukehren, sei für den ESO letztlich keine Alternative: „Auf diese Weise bekommen wir die Gehwege nicht so sauber, außerdem gelangen wir mit Besen nicht überall gut hin, etwa unter parkende Autos.“ Dass mit der althergebrachten Methode mitunter über den zweiten Arbeitsmarkt neue Beschäftigte eingestellt werden könnten, so wie von der Rathauskoalition angedacht, hält Gaksch für ausgeschlossen: „Es lohnt sich nicht, Mitarbeiter nur für saisonelle Mehrarbeit einzustellen.“

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