Viel Sport auch abseits der Kickers

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Kaffee und Kuchen stehen bereit beim Awo-Erzählcafé mit Simon Berghofer, Pascal Behrenbruch, Manfred Klaussner, Karl-Heinz Stier (hinten), Volker Eckrich, Cornelia Harnisch, Heike Marklein (vorn, jeweils von links).

Offenbach ‐ Es gibt Städte, die verbindet man mit herausragenden historischen Ereignissen, spektakulären Bauwerken oder kulturellen Neuerungen – Offenbach fällt in keine dieser Kategorien. Von Denis Düttmann

„Aber Offenbach ist berühmt für seine Sportler, auch wenn das in der Stadt selbst nicht immer so wahrgenommen wird“, sagt Karl-Heinz Stier.

Im Erzählcafé der Arbeiterwohlfahrt interviewte der Reporter bekannte Sportler, erfolgreiche Funktionäre und aufstrebende Athleten. Eine, die so ziemlich alles erreicht hat, ist Cornelia Hanisch. Die Fechterin wurde 1979, 1981 und 1985 Weltmeisterin mit dem Florett und 1984 Olympiasiegerin in Los Angeles. Als traumatisches Erlebnis hat sie den politisch erzwungene Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau in Erinnerung behalten. „Das war eine schlimme Situation – wir haben uns damals so hilflos gefühlt“, sagt sie. Wegen des Einmarsches sowjetischer Truppen ein Jahr zuvor in Afghanistan boykottierte der Westen die Olympiade, die Sportler wurden bei dieser weitreichenden Entscheidung übergangenen.

„Später kam raus, das Bundeskanzler Helmut Schmidt die führenden Sportfunktionäre massiv unter Druck gesetzt hat“, sagt die Fechterin. Trotz der verhinderten Olympiastarts in jenem Jahr war Hanisch Anfang der 1980er Jahre ein Star: Fernsehteams belagerten die Schule, an der sie damals arbeitete, an geregelten Unterricht war zeitweise kaum zu denken. Als Sport-Ikone versteht sich die Berufsschullehrerin der Käthe-Kollwitz-Schule trotzdem nicht. „Ich weiß, wer ich bin und die Goldmedaille trage ich immer in mir“, sagt sie.

Zehnkampf ist die Königsklasse der Leichtathletik

Auf dem besten Weg zu einer Medaille in einem internationalen Wettbewerb ist derzeit Pascal Behrenbruch. Im vergangenen Jahr wurde der 25-Jährige bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin Sechster im Zehnkampf. Momentan bereitet er sich auf die Europameisterschaft in Barcelona vor. „Dann sind die starken Amerikaner und Kubaner nicht dabei. Ein Platz auf dem Treppchen sollte drin sein“, sagt der Athlet. Behrenbruch begann seine sportliche Karriere mit sieben Jahren beim TV Offenbach, wechselte nach Weiskirchen und startet heute für Eintracht Frankfurt. Der Zehnkampf ist die Königsklasse der Leichtathletik. „Jede Disziplin ist anders und bis zum Ende des Wettkampfs ist alles offen“, beschreibt er die Faszination seines Sports.

Der jüngste Offenbacher Weltmeister ist derzeit Simon Berghofer: 2009 holte der damals 20-jährige Ruderer des Bürgeler Wassersportvereins im tschechischen Racice den Titel im Leichtgewichtsvierer der Junioren. Heike Marklein ist zweimalige Weltmeisterin und dennoch stand sie nie im Medieninteresse. Das liegt an ihrer Sportart Kunstradfahren. Die Disziplin ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. „Eigentlich ist es wie Turnen auf dem Fahrrad“, erklärt Marklein. Wer etwa einen Handstand auf dem Lenker machen will, muss wie jeder andere Sportler hart trainieren. „Ich war jeden Tag in der Halle“, sagt Marklein. „Technik, Ausdauer, Kraft – das ganze Programm.“

Als nahezu symbiotische Verbindung beschreibt OFC-Vizepräsident Volker Eckrich die Beziehung zwischen den Kickers und der Stadt. Er spricht über die sportliche Situation sowie die Pläne zum Stadionneubau und relativiert die Bedenken vieler Fans gegenüber dem neuen Namen Sparda-Bank Hessen Stadion. „Offenbacher werden weiterhin einfach auf den Berg gehen – daran wird sich nichts ändern“, so Eckrich.

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