Kommentar: Viel Zeit verloren

Die neue Geschäftsführerin des Klinikums Offenbach, Franziska Mecke-Bilz, ist sicherlich nicht um ihren Job zu beneiden. Der Rationalisierungsdruck ist riesig. Vieles - was jetzt schon als Sparmaßnahme umgesetzt wurde - kommt spät, sehr spät. Von Peter Schulte-Holtey 

Vor allem die 2700 Mitarbeiter des Krankenhausen beobachten die Analyseanstrengungen der Berliner Klinikexperten natürlich mit Argusaugen. Dabei wird die gestern erneut verbreitete Ankündigung eines massiven Stellenabbaus, es könnten unter Umständen 300 Stellen betroffen sein, sicherlich nicht zur Beruhigung der angespannten Stimmung in der Belegschaft beitragen.

Aber auch die Kommunalpolitik wird noch einige Klippen meistern und unangenehme Fragen plausibel beantworten müssen. Sie wird im Oktober entscheiden müssen, ob sich eine Stadt, der im eigenen Haushalt rund 84 Millionen Euro fehlen, noch eine Klinik mit riesigen Altlasten leisten kann. Und die Klinikmitarbeiter werden die Verantwortlichen wohl erneut fragen, was aus ihrem Beitrag zur Gesundung des Krankenhauses (unter anderem Verzicht auf Rentenansprüche im Rahmen des Sanierungstarifvertrags) geworden ist, warum die mehr als 22 Millionen Euro mehr oder weniger wirkungslos verdampft sind?!

Immer deutlicher wird, dass viel zu viel Zeit nutzlos verstrichen ist. Die Verantwortlichen bei der Stadt hätten sich viel früher nach zusätzlicher Kompetenz für den Geschäftsbereich Finanzen umsehen müssen. Gleich mehrfach wurden offensichtlich falsche Strategien verfolgt - bei der Zusammenarbeit mit den Kliniken in Wiesbaden und Darmstadt, bei der Kooperation mit einem Krankenhaus in Abu Dhabi, beim Projekt Protonenzentrum usw...

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