Viele Alte - wenig Interesse

Offenbach - In Offenbach gibt es weder zu viele Altentagesstätten noch zu wenige Alte. Letzteres ist mit der Bevölkerungsstatistik zweifelsfrei belegbar und Ersterem widerspricht ein Zwischenbericht zur „Weiterentwicklung des Angebots, der Organisation und des Finanzierungsmodells der Altentagesstätten“. Von Marcus Reinsch

Verlangt hatte ihn das Stadtparlament; vorgelegt hat ihn Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon kürzlich. Die Essenz aller vom Frankfurter INBAS-Institut im Auftrag geleisteten Sozialforschung: Es muss nicht zwangsläufig die Zahl der Einrichtungen verringert werden - falls es gelingt, die Zahl der Besucher zu steigern.

Dass die Klientel heute alles andere als strömt, kann, wie gesagt, nicht an Klientel-Mangel liegen. Der Anteil der über 75-Jährigen an der Gesamteinwohnerzahl stieg innerhalb der letzten acht Jahre von 7,1 auf 7,4 Prozent. Das sind 8 793 Offenbacher. Zu Gast in den sechs Alteneinrichtungen - Emil-Renk-Haus, Christine-Kempf-Haus, Frieda-Rudolph-Haus, Else-Hermann-Haus und die Seniorentreffs Nordend und Lauterborn - sind an einem normalen Öffnungstag aber nur jeweils sieben bis zehn von ihnen. Ein viel zu schwaches Echo auf den Ruf zu den von drei- bis siebenköpfigen ehrenamtlichen Teams organisierten Veranstaltungen.

Die INBAS-Analyse ist folgerichtig wenig schmeichelhaft. „Ein bisschen“, sagt Dr. Jürgen Schumacher, seien die Einrichtungen „noch in der Tradition der Wärmehallen in der Nachkriegszeit“. Dass da - wie zuletzt im gerade zum Stadtcafé umgebauten Frieda-Rudolph-Haus im Büsingpark - der Zuspruch gering ausfalle, sei nicht verwunderlich und auch niemandem vorzuwerfen.

Ansatzpunkte für Verbesserungen gebe es aber natürlich viele. Gerade solche, die auch dem Willen der Sozialdezernentin entgegenkommen, die ehrenamtlichen Strukturen mit gebündelter professioneller Hilfe zu stützen.

Der endgültige Bericht soll zwar erst in etwa zwei Monaten vorliegen; diskussionswürdige Stichworte aber liefert schon der Zwischenstand. Beispielsweise die Einführung von niedrigschwelligen Angeboten wie Konzerten bei gleichzeitiger Förderung des Eigenengagements bei anderen Aktivitäten. Und aufs Wochenende ausgedehnte Öffnungszeiten. Und der Ausbau der Zusammenarbeit mit Vereinen, der Volkshochschule und dem Freiwilligenzentrum. Und generationsübergreifende Projekte. Und bauliche Veränderungen wie die bessere Aufteilung der Räume. Und, wer weiß, vielleicht sogar eine Oldie-Disco unter dem Titel „Rolling Stones & Co. - Musik von Senioren für Senioren“.

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