Viele Besucher vom Sofa geholt

Offenbach - Es muss ja nicht immer Hochleistungssport sein. Ein bisschen kicken hier, ein bisschen klettern dort, und schon darf Luca guten Gewissens in die nächste Bratwurst beißen. Von Fabian El Cheikh

Darf der 9-Jährige zwar sowieso, denn über frühe Gewichtsprobleme muss sich der fußballbegeisterte Berliner Junge nun gar nicht sorgen. Im Gegenteil: Vielleicht hätte Luca vorher schon kräftig in die Wurst beißen sollen, denn jetzt hängt der Blondschopf irgendwo zwischen einem und fünf Metern fünfzig in der Höhe und weiß nicht so recht, ob er es noch bis nach oben schafft – an die Spitze der mobilen Kletterwand, die der Deutsche Alpenverein eigens für das Familiensportfest auf dem neuen Sportgelände am Wiener Ring herbeischaffen ließ.

„Mir hat die Kraft gefehlt“, berichtet Luca wenig später, als er mit beiden Beinen zurück auf der Erde steht. Vielleicht ein wenig Angst gehabt? Nein, das nicht. „Aber es war ganz schön anstrengend.“ Schon einmal war er klettern, in einer Halle, in Berlin. Gestern nahmen seine Eltern den Verwandtenbesuch am Main zum Anlass, ihrem Sohn noch einmal das Gefühl von Abenteuer und Nervenkitzel zu gönnen. Auch zahlreiche Offenbacher Besucher des Festes, das unter dem Motto „Runter vom Sofa - raus aus dem Haus“ erstmals nicht im Kreis, sondern in der Stadt zur Bewegung animierte, kletterten an Seilen gesichert in die Höhe. „Dieser Sport erlebt gerade einen Boom“, berichtet Hartmut Kresse, zweiter Vorsitzender des Alpenvereins, der sich über zahlreichen Nachwuchs freuen kann.

Bilder vom Sportfest

Sportfest für Familien

Die Zahl der Besucher beim Sportfest gestern hielt sich dagegen in Grenzen. Gabi Bied vom 1. Judoclub Samurai in Offenbach hatte auf größeres Interesse aus der Bevölkerung gehofft. „Angesichts des Wetters müssen wir aber zufrieden sein“, sagt sie und blickt gen Himmel, der sich bis zum Nachmittag mit schwerbeladenen, dunklen Wolken nicht gerade von seiner besten Seite zeigte. Jürgen Weil, Leiter des Sportbüros, hatte bei der Planung des Festes genau dieses Wetter befürchtet, wenngleich wenigstens der Regen ausblieb. „Wir müssen auch bedenken, dass das Sportfest zum ersten Mal in Offenbach stattgefunden hat, das muss sich hier erst noch etablieren“, relativiert Weil die schwache Besucherresonanz.

Ziel sei es, die Veranstaltung vielleicht alle zwei oder drei Jahre aus dem Kreis in die Stadt zu holen. Anlass in diesem Jahr war letztlich das fertig gestellte neue Sportzentrum am Wiener Ring: „Das konnten wir dem Publikum auf diesem Weg einmal vorstellen.“

Schwerpunkt auf den Randsportarten

Ordentlich, gepflegt und mit jungen Bäumen bepflanzt präsentiert sich das Gelände mit seinen verschiedenen Sportplätzen dann auch der neugierigen Besucherschar. Von der Besuchertribüne aus können sich die Teilnehmer einen Überblick über die zahlreichen Angebote machen. Rund 30 Vereine und mehr als 150 ehrenamtliche Helfer ermöglichen es Jung und Alt, auf verschiedenen Stationen mal auf dem Rhönrad zu fahren, mal mit dem Bogen zu schießen, erste Judoübungen oder das Nordic Skating auszuprobieren.

Besonders anziehend sind gerade die Stationen der so genannten Randsportarten, etwa das Bungee-Trampolin, die Fechtanlage des Fechtclubs Offenbach, der Ruderergometer der SG Wiking oder auch die Airtrackbahn der OFC Cheerleaders. „Das ist ja auch Ziel und Zweck“, meint Jürgen Weil, „dass sich die Besucher mal an weniger bekannten Sportarten ausprobieren können.“

Er selbst darf sich beim „Human Soccer“ beweisen, dem Tischfußball mit echten Menschen. Seine Auswahl von Vertretern der Stadt, des Kreises (darunter Kreisbeigeordneter Carsten Müller) und des Sportkreises – die Initiatoren des Festes – verliert jedoch schmachvoll mit 5:10 gegen die „Waldis“ der Offenbacher Kickers. „Spaß haben steht im Vordergrund“, sagt Weil nach dem Spiel, ehe er sich zur Autogrammstunde mehrerer OFC-Kicker begibt.

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