Für viele eine Herzenssache

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Schüler einer ersten Klasse der Buchhügelschule haben ihre Eindrücke von Offenbacher Spielplätzen zu einem kleinen Buch zusammengestellt. Die Bilder sind mit Fotos und Texten ergänzt. Als „hochprofessionell und ideenreich“ lobte Oberbürgermeister Horst Schneider das Werk.

Offenbach ‐ Es ist ein Gedränge und Geschiebe: Lediglich die Statue von Karl Winterkorn, besser bekannt als Streichholzkarlchen, erträgt’s am Wilhelmsplatz mit stoischer Gelassenheit - gezwungenermaßen, versteht sich. Von Martin Kuhn

Kimmt mer heut gar net uff de Markt“, ist ein reiferer Herr am Samstagvormittag ungehalten. Man kommt. Aber am Denkmal-Karl nimmt sich die Verwaltung Raum und Zeit, den ersten Bauabschnitt des Wilhelmsplatzes offiziell zu eröffnen. Gleichzeitig würdigt die Stadt bekennende Offenbacher.

Die Stadt erachtet es offenbar als wichtigen Termin: Die Magistrats-Spitze erscheint gemeinsam an diesem Samstag: Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeisterin Birgit Simon. Der Verwaltungschef ist nach wie vor überzeugt vom neuen Wilhelmsplatz: „Haben Sie am Freitagabend den Platz gesehen, wenn kein Auto draufsteht“, fragt Schneider rhetorisch. Einige nicken, wenige klatschen. Trotz lauer Temperaturen ist der zentrale Platz im November offenbar nicht die zentrale Anlaufstation. Folgerichtig schwärmt kaum einer mit dem OB.

Mehr Bilder von Preisverleihung und Eröffnung:

Gewinner des Wilhelmsplatz-Wettbewerbs geehrt

Andererseits sehen die Offenbacher an diesem Morgen, wie verloren ein anthrazit-farbener Mittelklassewagen auf dem Platz wirkt. Da hat ein Offenbacher wohl den Zeitpunkt verpasst, sein Fahrzeug vor dem Schließen des neuen Bauzauns von der südlichen Hälfte des Wilhelmsplatzes zu fahren. Dieses Knöllchen könnte zu einer echten Knolle mutieren ...

Schneider nutzt die Gelegenheit, um Geduld für den jetzt folgenden Bauabschnitt zu erbitten. Er erhofft sich eine ähnliche Gelassenheit, wie er sie bei den Portugiesen zu erkennen glaubte, die in Handarbeit gut 400.000 Basaltquader auf dem nördlichen Teil verlegten. Gerade das Ergebnis dieser Arbeit - wir berichteten - sorgt für Murren und Kopfschütteln. Das Pflaster, so heißt es, sehe zwar gut aus, sei aber schlecht zu begehen und zu befahren. „Die Quadratur des Kreises gelingt uns auch auf dem Wilhelmsplatz nicht“, so Schneider.

Meinungen im Tagebuch festgehalten

Und natürlich erachtet er das Ergebnis als überaus gelungen: „Der Wilhelmsplatz bekommt dadurch die Atmosphäre, die er verdient.“ Und mit einem Nebensatz erinnert der Oberbürgermeister daran, dass eine „übergroße Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung“ ihr Votum für die Umgestaltung gegeben habe. In einer Art „Tagebuch“ können Offenbacher im Zelt der Stadtplanung ihre Meinung niederschreiben - zum zweiten Mal. Zum Stift griffen die Bürger bereits, als die Stadt das Projekt vorstellte.  Da steht unter anderem: „Super Platz, Scheiß Belag.“ Nach der „Halbzeit“ auf dem Wilhelmsplatz ist zu lesen: „Der Platz hat eine Aufwertung erfahren.“ Eine Momentaufnahme - oder doch mehr?

Auf der selben Seite heißt es: „Tolle Idee, ein Stück Offenbach zu bekommen.“ Gemeint sind 50 Pflastersteine aus dem 19. Jahrhundert, die bislang die nachträglich auf dem Wilhelmsplatz aufgebrachte Teerdecke verbarg. Gegen eine Spende von 25 Euro können Interessierte einen der Steine kaufen. Dieser wird graviert und kann bis Weihnachten von dem neuen Besitzer abgeholt werden. Die Gravur lautet: „Original Pflasterstein 19. Jhd. vom Offenbacher Wilhelmsplatz – gefunden 2009“. Die Erlöse aus dem Verkauf sind für die Initiative „Essen und Wärme“ bestimmt. Das sorgt für Interesse: „Weißt du, wo‘s die Steine gibt?“ „Klar. Aber nicht ins nächste Schaufenster werfen!

100 gute Gründe für Offenbach

Weniger schwere Argumente für Offenbach finden diejenigen, die sich an der Initiative „100 gute Gründe für Offenbach“ beteiligt haben. Unter allen Einsendern wurden schon attraktive Preise verlost. Horst Schneider, die Vorsitzende vom „Treffpunkt Offenbach“ Christina Baudach und Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda haben einige Beiträge ausgewählt, die das Motto der Aktion musikalisch, graphisch oder virtuell besonders unterstreichen. Einige tragen das am Samstag vor und erhalten neben anerkennenden Worten auch kräftigen Applaus: Sigrid Gilbert listete tatsächlich 100 gute Gründe auf, Giovanna Silvestro produzierte einen Kurzfilm, Paul Sorgenfrei verfasste hat ein Gedicht, Manfred Liebermann zeigte Begegnungen von Menschen mit einem Original, Antoon Beun schrieb ein Offenbach-Lied, Hans Christian Hoek arrangierte 100 Portraits zu einem Plakat und Buchhügelschüler stellten ein Buch zusammen.

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