Viele kleine Treffer in einem großen Kampf

Offenbach - Um sich im Netz der Qualifizierungsofferten nicht zu verheddern, die städtische und private Perspektiven benachteiligten Offenbachern mittlerweile unterbreiten, müsste ein Außenstehender eigentlich erstmal einen Schnellkurs in europäischer und deutscher Integrations- und Förderpolitik belegen. Von Marcus Reinsch

„Stärken vor Ort“ beispielsweise, vor drei Jahren in der Stadt gestartet, ist wahrlich kein Projekt der unkomplizierten Sorte. Aber seit dem Stemmen bürokratischer Begleiterscheinungen durch die bei Agnes Thölking vom Jugendamt angesiedelte Lokale Koordinierungsstelle funktioniert es gut. So gut, dass die gestern für eine Zwischenbilanz angetretenen Akteure beim Blick auf die bisherigen Erfolge neben Freude auch Trauer und letztlich ein bisschen Wut aufs System empfinden. Denn die aktuelle Runde des Programms ist wohl die letzte. Am Jahresende schließt sich der Zuschusstopf. .

Mit Geld befüllt wird er bisher aus dem Europäischen Sozialfonds. Aus dem darf das Bundesfamilienministerium Städte beglücken, die Frauen und Jugendlichen in problematischen Stadtteilen mittels Unterstützung sogenannter Mikroprojekte Gutes tun wollen. Offenbach - Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil in der Republik und Vorreiter bei Pilotprojekten in Sachen Integration - kann da problemlos Bedarf nachweisen. Also gab es seit 2009 für die östliche Innenstadt und das Nordend jährlich jeweils 100000 Euro. Finanziert wurden damit, in Portionen von maximal 10000 Euro, besagte Mikroprojekte. Schon im ersten Jahr gab es im Nordend elf geförderte Ideen, die vor allem auf die Integration von Jugendlichen oder die Unterstützung von Frauen beim Erstkontakt mit der deutschen Gesellschaft und dem Berufsleben zielten.

Dieser Grundgedanke hat sich nicht verändert. Im vergangenen Jahr waren es 13 teils auf die erste Runde aufbauende Projekte mit alles in allem 221 Teilnehmern, in diesem Jahr werden es zwölf. Alle Ideen stammen von Bewohnern, Vereinen, Initiativen, Schulen, Kirchen oder auch Firmen. Da gab es Deutschunterricht für Frauen, von denen man zuvor annahm, sie lebten in „Parallelgesellschaften hinter den Häusern“, wie Bürgermeisterin Birgit Simon gestern kritisch formulierte. Es gab Lern-, und Kompetenzwerkstätten, Musik- und Videoprojekte, Selbstverteidigung für Mädchen mit Behinderung, Berufsorientierung und Computerkurse. Der Boxclub knöpfte sich das heikle Männerselbstbild einiger Migranten vor, vermittelte junge Kerle stundenweise in Nordend-Kitas und hofft nun fundiert, dass der eine oder andere schlagkräftige Ex-Macho demnächst einer der gerade in Quartieren mit immens hohem Migrantenanteil händeringend gesuchten Erzieher wird. Honorarverträge gibt es schon.

Aktuelle Projekte sollen Ergebnisse vertiefen und eigenständige Schritte erleichtern. Bei der Sprachkompetenz natürlich, diesmal aber verstärkt auch in Sachen Kunst und Kultur und Unternehmergeist.

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