Viele Kranke und vereiste Bremsen

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Das ist traurig: Vergebliches Warten auf den Bus bei eisigen Temperaturen.

Offenbach - Seit gestern Vormittag rollt der Linienverkehr der Busse im östlichen Kreis Offenbach angeblich wieder ohne größere Probleme. Von Ingrid Zöllner

Wegen eines hohen Krankenstands bei den Fahrern der Firma BRH Viabus GmbH waren vergangene Woche und auch noch am Montag rund um Seligenstadt und Obertshausen regelmäßig Fahrzeuge auf den Linien 85, 86 und der Flughafenlinie 651 ausgefallen. Hunderte Fahrgäste kamen zu spät zur Arbeit.

Gestern früh wurden noch einmal Ausfälle auf den Linien 85 und 651 in der Hauptverkehrszeit gemeldet, doch danach sei der Verkehr gelaufen, erklärte gestern der Geschäftsführer des Linienbetreibers Viabus, Marcus Schmidt. „Die Schwierigkeiten waren aufgrund der Kälte technisch bedingt“, erklärt er. Durch die eisigen Temperaturen seien die Bremsen über Nacht festgefroren und hätten von den Technikern der Betriebswerkstatt angewärmt werden müssen.

RMV hofft auf Besserung

Die Arbeit in der Werkstatt wird am heutigen Mittwochmorgen bereits um vier Uhr beginnen, damit die Fahrpläne trotz der kalten Witterung endlich wieder eingehalten werden. Sowohl Schmidt als auch die Sprecherin Petra Eckweiler vom Rhein-Main-Verbund (RMV) hoffen, dass es ab heute keine Probleme mehr bei den Linien 85, 68 und 651 geben wird.

Für die Ausfälle in der vergangenen Woche war dagegen ein hoher Krankenstand bei Viabus verantwortlich. „Von den 35 Mitarbeitern, die auf den fraglichen Routen fahren, waren zwölf erkrankt“, erklärt Schmidt. Das Unternehmen habe erfolglos versucht, kurzfristig von anderen Busfirmen Fahrer zu bekommen. „Das Problem bei den Linien ist die Strecke, die ein Fahrer erst einmal kennen muss“, erläutert er. 220 Fahrer sind bei Viabus derzeit angestellt. Ein Umsetzen auf eine neue Streckenführung sei nicht so ohne weiteres möglich.

Dass eine solche Situation für Busunternehmen schwierig ist, weiß auch Volker Tuchan, Geschäftsführer des Omnibusverbands Hessen. „Im Winter ist der Krankenstand immer höher. Andere Fahrer zu bekommen, ist da problematisch“, sagte er. Gerade bei Linienfahrten komme es zu Verzögerungen, da die Strecken den Fahrern nicht unbedingt geläufig seien. Grundsätzlich sei die Situation auf dem Arbeitsmarkt schwierig. „Es gibt immer weniger Nachwuchs in dieser Berufssparte. Viele Fahrer haben früher bei der Bundeswehr ihren Bus-Führerschein gemacht, aber diese Möglichkeit fällt jetzt weg“, sagt Tuchan. Zudem steige in allen Arbeitsbereichen der Anspruch auf Qualität und dementsprechend die erforderliche Qualifizierung der Fahrer. Auszubildende seien rar gesät, auch Viabus bildet noch nicht aus.

Zu wenige Auszubildende

„Die Fahrer werden nach Tarif bezahlt“, erklärt Tuchan. Außerdem gebe es Zulagen für Nachtarbeit und Überstunden. „Wir fahren genau in den Grenzbereichen, so dass unsere Fahrer keine Zulage für den Ballungsraum bekommen, das ist manchmal schwierig“, sagt Schmidt. Manche Fahrer überlegen sich daher genau, bei welchem Unternehmen sie arbeiten. In nächster Zeit stünden zudem Tarifverhandlungen an.

Der RMV bezahlt den vom ihm mit den Beförderungsleistungen beauftragten Unternehmen laut Vertrag so genannte Fortschreibungen, die nach einem bestimmten Index festgelegt sind. „Darin sind Erhöhungen bei Treibstoff und Lohnkosten eingerechnet“, bestätigt Eckweiler. Doch nicht immer deckt dieser Satz die tatsächlichen Kosten ab. „Wir bekommen den festgelegten, statistisch errechneten Satz, der aber nicht immer reicht. So müssen wir mitunter selbst die Tariferhöhung der Fahrer zahlen, zu der wir verpflichtet sind“, erklärt Schmidt. Besser wäre es seiner Meinung nach, wenn vom RMV als „Besteller“ realistische Beträge statt der festgelegten Fortschreibungen bezahlt würden.

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