Viele offene Fragen

Anwohner wundert sich über Umsetzung der Fahrradstraße

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Das Konzept der Fahrradstraße ist im Offenbacher Süden noch nicht von allen Verkehrsteilnehmern verstanden worden. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen. Da helfen auch die Schilder und die roten Markierungen an den Kreuzungen der Senefelderstraße nichts.

Offenbach – Die Idee ist gut, die Umsetzung ausbaufähig. So lautet das Fazit von Jochen K., der als Anwohner hautnah miterlebt, was auf der Fahrradstraße an der Senefelder alles schief läuft. Von Steffen Müller

Er berichtet von gefährlichen Situationen an den Kreuzungen, da sich viele Autofahrer noch nicht an die neue Vorfahrtsregel gewöhnt zu haben scheinen – statt rechts vor links gilt seit dem Umbau zur Fahrradstraße Vorfahrt für alle Verkehrsteilnehmer auf der Senefelder. Der Anwohner bemängelt außerdem fehlende Rücksichtnahme, sowohl von Auto- als auch von Radfahrern. So würden Radler einfach auf dem Gehweg fahren, Pkw-Fahrer geraten zwischen Gustav-Adolf- und Christian-Pleß-Straße aneinander, da durch neue Parkbuchten die Fahrbahn verengt wurde und zwei Autos kaum noch nebeneinander passen.

Von seinem Fenster hat Jochen K. einen perfekten Blickauf die Fahrradstraße.

Für ihn als Radfahrer ist die Strecke nicht attraktiv, so Jochen K., der damit Sicherheit und Optik meint. Wäre er verantwortlich gewesen, hätte er einiges anders gemacht, wenngleich er weiß, dass er in dem Projekt nicht so tief drinsteckt wie die Planer. Mit den Verbesserungsvorschlägen des 42-Jährigen haben wir Ulrich Lemke, Projektleiter für die Fahrradstraßen, konfrontiert, der erklärt, warum die Fahrradstraße nun mal so geworden ist, wie sie ist.

Warum wurde aus der Senefelder Straße keine Einbahnstraße gemacht?

Durch die Einrichtung von Einbahnstraßen kann man Durchgangsverkehre weitgehend verhindern. Sie haben aber den Nachteil, dass die Anwohner, die mit einem Pkw unterwegs sind, Umwege fahren müssen und so der positive Effekt der Fahrradstraßen für die Umwelt verringert wird. Die Fahrradstraße in der Senefelderstraße ist eine Anliegerstraße. Einfahren dürfen Anwohner und deren Besucher, Lieferanten und Dienstleister, Kunden von dort ansässigen Geschäften und Menschen, die dort arbeiten. Der Durchgangsverkehr mit dem Auto muss andere Wege suchen, sonst drohen Bußgelder.

Warum wurde nicht der komplette Asphalt wie an den Kreuzungen rot markiert?

In den Kreuzungsbereichen der Fahrradstraße haben Radfahrer und Anlieger Vorfahrt. Insbesondere auf diese neue Verkehrsführung wollten wir aufmerksam machen.

Wann werden die ersten Testergebnisse veröffentlicht?

Teilweise sind die Testergebnisse schon veröffentlicht. Bei der Aktion „Schokolade statt Knöllchen“ am 6. Dezember wurde zum Beispiel festgestellt, dass noch knapp die Hälfte der Autofahrer die Straße ohne ein Anliegen durchfahren haben. Die Auswertung der Verkehrserhebungen der Hochschule Darmstadt sollen im Mai/Juni 2019 vorliegen.

So kommen Radfahrer gut durch den Winter

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die komplette Senefelder bis zum Odenwaldring zur Fahrradstraße zu machen? Nur für einen so kurzen Abschnitt wie bisher werden die meisten Radler bestimmt nicht auf die Senefelder ausweichen, und man hätte durch eine längere Strecke auch detailliertere Testergebnisse.

Für die Teststrecke standen inklusive der für die Markierungen notwendigen Reparaturen an der Fahrbahnoberfläche nur ein Budget von 95.000 Euro zur Verfügung. Eine längere Teststrecke war daher leider nicht möglich.

Warum wurde der gesamte Testabschnitt nicht aufgehübscht, beispielsweise durch mehr Grün? Das würde dort das Radfahren attraktiver machen.

Die Fördergelder des Bundesumweltministeriums sollen dafür eingesetzt werden, den Radverkehrsanteil der Stadt Offenbach zu erhöhen, und können leider nur für Radfahrinfrastruktur verwendet werden.

Viele Straßen in Offenbach sind in einem miserablen Zustand. Wäre das Geld für die Fahrradstraße nicht besser investiert, um Schlaglöcher zu stopfen?

Offenbach benötigt eine bessere Infrastruktur für den Radverkehr und benötigt zusätzlich Mittel, um die Fahrbahndecken zu erneuern.

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