Tag der offenen Moschee

Viele Wege führen zu Gott

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Einblicke in den Alltag einer islamischen Gemeinde verschafften sich Besucher am Tag der offenen Moschee – wie hier beim Mittagsgebet der Mevlana-Moschee.

Offenbach - Müberra Ergün ist überzeugt: „Muslime sind sich schon aus der Glaubenslehre heraus ihrer Verantwortung für die Wahrung der Schöpfung und die Erhaltung der Umwelt bewusst.“ Von Harald H. Richter

Die Studentin an der Frankfurter Goethe-Universität, die früher am Offenbacher Rudolf-Koch-Gymnasium zur Schule ging, macht sich als Sprecherin der Mädchengruppe der islamischen Mevlana-Gemeinde im Sinne des Tagesmottos dafür stark, Verschwendung jeglicher Art zu vermeiden und schonend mit der Natur umzugehen. Die Tochter von Imam Mehmet Ergün erläutert Besuchern der Moschee das diesjährige Motto „Umweltschutz“ und mahnt zu verantwortungsbewusstem Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Die Mevlana-Moschee ist gut gefüllt an diesem Nachmittag. Die offene Tür auch dieses Gotteshauses weckt bei der Bevölkerung Neugier und dient obendrein dazu, manche Vorurteile abzubauen und den interreligiösen Dialog zu fördern. Worauf der Vorsitzende des Offenbacher Ausländerbeirats, Abdelkader Rafoud, in seiner Grußadresse hinweist. Der seit 1997 begangene Tag der offenen Moschee sei eine willkommene Chance der zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs gehörenden Gemeinde, sich zu präsentieren und ihren Gästen Informationen an die Hand zu geben.

Derwischtanz aufgeführt

Gerade hat eine Gruppe Jungen den Derwischtanz aufgeführt. Dieser Drehtanz geht zurück auf Mevlana Djelaleddin Rumi, den großen Mystiker des Islam, und stellt in vollendeter Form die spirituelle Reise des Menschen zu Gott und seine Rückkehr als Dienender dar. Jede Geste hat symbolische Bedeutung und wird mit Bedacht und Konzentration ausgeführt. Erhobene Hände nehmen die göttlichen Geschenke in Empfang, gesenkte geben sie an Bedürftige weiter.

Auch die Moschee verdankt ihren Namen dem Mystiker. Sie zählt zu den älteren moslemischen Gotteshäusern in Offenbach. Kunstvoll verzierte Fliesenarbeiten mit bunten Blumenmotiven, die symbolisch für Allah und seinen Propheten Mohammed stehen, orientalische Teppiche, Kalligrafien, Wandbehänge und Koran-Zitate an den Deckenbalken sowie ein opulenter Kronleuchter dekorieren die helle und lichtdurchflutete Moschee. Fünfmal täglich und zum großen Freitagsgebet versammeln sich die Gläubigen, um den von Imam Mehmet Ergün auf Türkisch gehaltenen Predigten beizuwohnen.

Am Tag der offenen Moschee sind die Besucher zur Teilhabe eingeladen und verfolgen das Mittagsgebet, zu dem – Allah lobpreisend – Punkt halb zwei gerufen worden ist. Kundige Erläuterungen erhalten die Gäste von mehreren Jugendlichen, die an diesem Nachmittag als Info-Scouts die Aufgabe übernommen haben, Ablauf und Rituale zu erklären.

Unter dem Dach der Moschee

Süha Çakmak ist einer von ihnen. Der 15-jährige Rudolf-Koch-Schüler übernimmt auch einen Teil der Moderation und ermuntert dazu, sich alles anzuschauen, was unter dem Dach der Moschee geboten wird. Und das ist einiges. Allein der sonntäglichen Koranschule für Kinder stehen drei Unterrichtsräume zur Verfügung. Ferner gibt es einen Jugendtreff sowie einen weiteren Raum, in dem die Gemeinde Kurse und Veranstaltungen anbietet, darunter Nachhilfeunterricht für Schüler. Es gibt Deutschkurse für Kinder und Erwachsene, Orientierungslehrgänge über Themen der deutschen Gesellschaft und vieles andere mehr.

Imam Mehmet Ergün begrüßt, dass seit Beginn des Schuljahrs auch an zwei Schulen in Offenbach endlich deutschsprachiger Islamunterricht erteilt wird. „Es ist ein Anfang getan, vielleicht geht davon eine Signalwirkung aus“, äußert er sich zuversichtlich. Eine gewisse Freude über die positive Resonanz des Tags der offenen Moschee ist ihm ebenfalls anzumerken, was nicht verwundert. Schließlich führen viele Wege die Menschen zu Gott.

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