Viele Wünsche, wenig Geld

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OFC-Vizepräsident warb bei den Offenbacher Stadtverordneten vor der Haupttribüne um das Stadion-Projekt: „Wir brauchen dringend eine Entscheidung.“

Offenbach -  Zu Stätten der Kunst, der Bildung und des Sports führte die Stadtverordneten ihre Gemarkungsrundfahrt. Am Samstag zeigte sich überall eine ähnlich schwierige Gleichung: Viele Wünsche, wenig Geld - im Klingspormuseum, an den Gymnasien, auf dem Bieberer Berg. Von Martin Kuhn

Folglich herrschte trotz Hochdruckeinfluss nicht nur eitel Sonnenschein. Am längsten hielten sich die Parlamentarier beim Drittligisten Kickers Offenbach auf. Ob Vizepräsident Thomas Kalt mit seinen Worten und das Team mit dem 2:1-Sieg gegen Aalen die politischen Fraktionen für das Stadion-Projekt gewonnen haben, bleibt fraglich. „Wir schauen lediglich auf die Zahlen“, zog ein Stadtverordneter eine eher nüchterne Bilanz.

OFC-Vize Thomas Kalt umgarnte keineswegs die Stadtverordneten, warb aber mit aller Macht fürs Projekt. Nach dem Rundgang übers Hauptfeld, durch die VIP-Räume und zum Block 2 hatte er jedenfalls das Gefühl,„dass alle um die Bedeutung der Kickers für unsere Stadt wissen“. Er bewegte sich in diesem Fall auf sicherem Terrain: Einige Stadtverordnete und auch Klingsporleiter Dr. Stefan Soltek hatten sich rot-weiße Schals umgelegt und sich zumindest optisch als Kickers-Sympathisanten zu erkennen gegeben.

Die jüngsten Beschlüsse der Koalition aus SPD, Grüne und FDP empfand er als „ein sehr positives Signal“ und bekundete: „Wir müssen alle Abstriche machen.“ Sprich: Keine 40-Millionen-Arena, keine Hotel-Variante mehr, sondern ein Neubau in vier Schritten im Bestand. Als auch in der Anhängerschaft kundig zeigte sich Christoph Rupp (CDU): „In der Fanszene wird ja das Paderborn-Stadion abgelehnt. Wie reagiert der Verein darauf?“ „Ich lese keine Fanforen - schon seit Jahren nicht. Da spricht jeder nur für sich. Der jetzt eingeschlagene Mittelweg unter Federführung der Stadtwerke-Holding ist vielleicht der richtige“, äußerte Thomas Kalt und an Rupps Adresse: „Was die Fans wollen, kann die Stadt nicht bezahlen - und wir als Mieter auch nicht.“

Um das zu verdeutlichen, führt der Vizepräsident ein Negativ-Beispiel aus den neuen Ländern an. In Dresden baue die Stadt derzeit für 45 Millionen Euro ein Stadion, das zu 60 Prozent fertiggestellt ist. Jetzt habe man erstmals mit dem Liga-Konkurrenten Dynamo geredet, der Hauptmieter sein wird. Die Kommune kalkuliere mit Mieteinnahmen von 2,5 Millionen Euro, Dynamo könne ein Fünftel zahlen. Daher habe der Klub für die Lizenz-Unterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) nun einen Heimspielort in hundert Kilometern Entfernung angeben. Es gelte, ein solches Stück Absurdistan zu verhindern: „Daher verstehen wir die Sorgen der Stadt und ihre Bedenken. Lieschen Müller kann das Stadion nicht mieten.“

Wenig erfreut zeigte sich Kalt auch über die Trainingsbedingungen für die Jugendteams. Den Hartplatz bezeichnen viele als schlechten Parkplatz, der Kunstrasenplatz ist weiter gesperrt. Kalt sieht, mit dem „Fußabdruck-Plan“ fürs neue Stadion, da „dringenden Handlungsbedarf“. Fachlich mussten sich die Stadtverordneten belehren lassen, die eine „Reparatur“ als Alternative erachten. „Das ist ein Kunstrasen der ersten Generation.“ Der habe, wie etliche Teile des Stadions, seine beste Zeit hinter sich.

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