Alarmierende Zahlen im Gesundheitsreport

Vielen Praxen in der Region droht der Tod

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Offenbach - Noch gibt es genügend Allgemeinmediziner und Hausärzte in der Region. Aber: Sie werden immer älter. Und genügend Nachwuchs ist nicht in Sicht. Der Regionale Gesundheitsreport beschreibt ein beunruhigendes Szenario. Von Peter Schulte-Holtey 

Warnungen vor einem Ärztemangel in den Praxen werden immer lauter. Das Hauptproblem: Die jungen Ärzte hätten vielfach keine Lust mehr, Überstunden in großer Zahl zu leisten, glauben Verbandsvertreter. Günter Hass, Vize-Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hessen: „Unsere Gesellschaft benötigt dringend eine Antwort darauf, warum ein Berufsbild, das noch vor Jahren hochbegehrt war, mittlerweile so unattraktiv ist, dass viele Praxen einfach nicht mehr nachbesetzt werden können.“ Zudem wandeln sich nach seinen Angaben die Berufsbilder im Gesundheitswesen: Junge Medizin-Studierende wollen zunehmend im Team, in Anstellung und in Teilzeit arbeiten.

In Hessen schlagen Landesregierung und Verbände nun Alarm: Von einer rasch alternden Ärzteschaft ist die Rede. In absehbarerer Zeit werde es auch im Rhein-Main-Gebiet erheblichen Druck auf Hausarztpraxen und Fachärzte geben, heißt es in den Regionalen Gesundheitsreporten, die jetzt vom hessischen Gesundheitsministerium und der KV in Zusammenarbeit mit dem Apothekerverband erstellt worden sind. Erstmals ist in Hessen die regionale Situation der ambulanten haus- und fachärztlichen Versorgung, der Apotheken, Krankenhäuser wie auch der Pflege aufgezeigt worden; darüber hinaus wurden Prognosen bis zum Jahr 2020 erstellt.

Ein Blick in die Region

Aufschlussreich ist dabei die Altersstruktur der Ärzte in den Praxen der Region. Blick in den Kreis Offenbach: Von den 202 zugelassenen Hausärzten gehören 42 Prozent der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre an, 27 Prozent sind älter als 60. Die jungen Ärzte und somit Nachfolger machen den geringsten Anteil mit zwei Prozent aus. Nach den Berechnungen werden im nächsten Jahr 39 Hausärzte im Kreis eine Nachfolge suchen, 2020 sind es voraussichtlich 68. Bei den Fachärzten ist die Situation ähnlich: 19 Prozent der Augenärzte, Gynäkologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie der Urologen sind 60 Jahre und älter.

Blick in die Stadt Offenbach: Die Altersstruktur der Hausärzte ist ähnlich wie im Kreis. 70 Prozent sind älter als 50 Jahre. Nach den Berechnungen werden 2015 von den 82 zugelassenen Hausärzten sieben vor der immer schwerer zu lösenden Aufgaben stehen, eine Nachfolge zu finden. 2020 werden voraussichtlich 27 Hausärzte damit konfrontiert. Bei den 105 Fachärzten in der Stadt macht die Altersgruppe 50 bis 59 Jahre mit 55 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von den 60-Jährigen und Älteren mit 23 Prozent.

Blick in den Kreis Darmstadt-Dieburg: 36 Prozent der Hausärzte sind dort 60 Jahre alt oder älter. 35 Prozent gehören der Altersgruppe zwischen 50 und 59 an. Bei den Fachärzten im Kreis stellen die 50- bis 59-Jährigen inzwischen mit 45 Prozent die größte Gruppe.

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