Deutsch-Unterricht der Volkshochschule

In vielen Situationen bezahlt gemacht

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Seit 2010 gibt es für Mütter die Möglichkeit, in einem Kurs der Volkshochschule ihre Kenntnisse der deutschen Sprache aufzubessern. Finanziert wird das Projekt auch von der Stadt Offenbach, deren Stadtrat Felix Schwenke die Frauen besuchte.  

Offenbach - Sie kommen aus Pakistan, Afghanistan, Kosovo, Marokko, Irak und aus Ägypten – und sie haben eines gemeinsam: Sie sind Mütter, wohnen in Lauterborn und wollen Deutsch lernen. Zu diesem Zweck treffen sie sich jeden Montag im Stadtteilbüro Lauterborn. Von Sonja Achenbach

„Wir legen großen Wert darauf, dass die Mütter sich auch über Alltagsprobleme unterhalten können“, erzählt Dozentin Yasemin Özer. Das verbindet. Doch das sprachliche Niveau in dem Kurs, den die Volkshochschule im Stadtteilbüro anbietet, ist höher angesiedelt. Während des dreistündigen Unterrichts lesen die Frauen heute politische Texte aus dem Lehr- und Arbeitsbuch „Berliner Platz“.

Einige der Teilnehmerinnen sind stolze Besitzer eines Zertifikats, zählen sprachlich zu den Fortgeschritten. Ihre gewonnenen Kenntnisse haben sich in den verschiedensten Situationen bezahlt gemacht, berichten sie.

Andrang bei Lesemamas groß

Das Angebot der Vhs habe sich untereinander herumgesprochen. Es ist für alle offen: So ist es unwichtig, wie lange die Mütter schon in Deutschland leben, wie alt ihre Kinder sind und ob diese schon in die Schule gehen. Denn ihre ganz Kleinen können die Mütter mitbringen. „Ohne Kinderbetreuung geht hier nichts“, erläutert Yasemin Özer. Seit 2006 ist die Diplompädagogin an der Volkshochschule als Dozentin für Deutsch angestellt. Sie leitet Mütter- genauso wie Integrationskurse.

Wer von den Frauen die deutsche Sprache am besten beherrscht, geht nach dem Unterricht gemeinsam mit der Dozentin in die Lauterbornschule. Dort geben sie ihre Kenntnisse als Lesemamas an die nächste Generation weiter. „Jede Mama ist einer Klasse zugeteilt und kümmert sich um jedes einzelne Kind.“ Die Klassenlehrer bestimmten zwar, welche Kinder wann mit den Lesemamas Zeit verbringen dürfen, aber der Andrang sei immer groß. „Gute und schlechte Schüler sollen gleichermaßen die Chance haben, Zeit mit den Frauen zu verbringen“, berichtet Andrea Seipel, die stellvertretende Schulleiterin der Lauterbornschule. Die weitere Besonderheit an diesem Projekt: Nicht die Frauen lesen vor, sondern die Kinder. „Wir loben sie dann zum Beispiel, wenn sie die Melodie eingehalten und eine Pause beim Punkt gemacht haben“, sagt Özer.

Um dieses Engagement zu würdigen und den Frauen wichtige Anerkennung zukommen zu lassen, stattet Bildungs- und Sozialdezernent Felix Schwenke ihnen heute einen Besuch ab: „Besonders wichtig war uns bei dem Programm, dass die Mütter leicht Zugang finden können“, sagt Schwenke.

Er sieht die Beteiligung der Frauen als Beweis für den Integrationswillien der Zugewanderten in Offenbach.

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