Vielfalt ist bei neuen Firmen Trumpf

Offenbach - Der hessische Gründerpreis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen. Am Sonntag war Bewerbungsschluss für junge Firmen und Unternehmer, die sich Hoffnungen auf die begehrte Auszeichnung machen. Von Achim Lederle

Der Preis wird seit 2003 verliehen, seit 2006 ist der „Initiativkreis Gründertage Hessen“ Veranstalter. Darin sind verschiedene Gründungsförderer aus Hessen zusammengeschlossen, darunter die Stadt Offenbach sowie die IHK und die KIZ gemeinnützige Projektgesellschaft. Das Offenbacher KIZ (Kommunikations- und Innovationszentrum) wurde 1997 mit der Zielsetzung gegründet, Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten. Mit KIZ-Geschäftsführer Bernd Curtius sprach unser Redakteur Achim Lederle.

Wer hatte die Idee zum Gründerpreis, was ist seine Vorgeschichte und was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Der Gründerpreis ist ursprünglich eine Offenbacher Veranstaltung, die vom KIZ erfunden worden ist. Anfangs war das hessische Sozialministerium involviert, mitfinanziert aus Europäischem Sozialfonds, später hat das Wirtschaftsministerium übernommen. Das KIZ hat ursprünglich vor allem Gründungen aus der Arbeitslosigkeit gefördert, was damals nicht selbstverständlich war. Wir wollten Existenzgründungen mit dem Preis publik machen. Von Anfang an gab es drei Kategorien: Nämlich „Mutige Gründungen“, „Innovative Geschäftsidee“ und „Geschaffene Arbeitsplätze“. Diese Dreiteilung hat sich sehr bewährt. In jeder Kategorie gibt es drei Preisträger, so dass insgesamt neun Firmen prämiert werden. Die jährlichen Gründerpreis-Veranstaltungen touren, vergleichbar mit dem Hessentag, durch das ganze Land. Nachdem im Vorjahr Kassel Veranstaltungsort war und davor unter anderem Frankfurt und Idstein, ist in diesem Jubiläumsjahr wieder Offenbach an der Reihe. Die einzelnen Städte sind Gastgeber und beteiligen sich an der Finanzierung der Gründertage, in Offenbach sind dies die Wirtschafts- und Arbeitsförderung der Stadt.

Wie viele Bewerbungen sind für den Preis eingegangen?

Es gab 87 Bewerbungen, davon 37 in der Kategorie mutige Gründungen, 44 bei der innovativen Geschäftsidee und sechs in der Kategorie geschaffene Arbeitsplätze. Einsendeschluss war der 23. September. 2011 hatten sich 83 Teilnehmer beworben, von denen 44 ins Halbfinale kamen. Sie haben zusammen 426 Arbeitsplätze und zwölf Lehrstellen geschaffen.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit zum „Jubiläum“ aus?

Ich denke, wir haben über die Jahre dazu beigetragen, dass sich Gründungen in Hessen etabliert haben und Existenzgründer ein höheres Ansehen genießen. Viele haben vom Gründerpreis sehr profitiert; der Preis selbst hat einige Nachahmer sowohl in Hessen als auch bundesweit gefunden.

Welche ausgezeichneten Firmen haben sich am Markt besonders etabliert? Gibt es auch welche, die nicht mehr am Markt sind?

Die allermeisten Firmen sind noch am Markt und auch erfolgreich. Drei gibt es nicht mehr. Zum Beispiel hatte wir im vergangenen Jahr ein Bestattungsunternehmen aus Hüttenberg, das als mutige Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus prämiert worden ist. Ein Highlight 2011 war sicher auch die Energy Glas GmbH aus Wolfhagen, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgezeichnet worden ist. Grundidee der Firma ist es, Fassadenverglasung mit Sonnenkollektoren zu verbinden. Energy Glas startete 2008 mit 20 Mitarbeitern, im Herbst 2011 hatte das Unternehmen bereits 79 Arbeitsplätze geschaffen. Viele Firmen, die sich bewerben und ausgezeichnet werden, sind jedoch kleiner. Es gibt auch eher skurril anmutende Neugründungen wie eine Firma, die Blutegel züchtet oder einen Trommel-Event-Veranstalter. Wir hatten auch einen Preisträger, der sich mit dem Druck von Auto-Nummernschildern sehr erfolgreich selbstständig gemacht hat. Oder ein Unternehmen, das Audio-Dateien in Textdateien umwandelt und damit sehr gut am Markt platziert ist. Sie sehen also: Die Preisträger kommen aus allen Bereichen. Vielfalt ist dabei Trumpf.

Finale Mitte September in den Räumen der EVO

Wie geht es jetzt nach der Vorauswahl weiter?

Im Halbfinale am 15. Oktober müssen sich die dann ausgewählten 36 Firmen vor einer Jury präsentieren. Jedes Unternehmen hat fünf Minuten Zeit, sich vorzustellen. Die Juroren beurteilen dann die Präsentation anhand von sieben Kriterien. Zum Beispiel geht es in der Kategorie Mutige Gründungen um den Kundennutzen, die Besonderheit der Geschäftsidee, die Glaubwürdigkeit des Gründers, die Anzahl der geschaffenen Arbeitsplätze, die Bewertung dieser Jobs, die Originalität der Geschäftsidee, die persönliche Ausgangssituation und die Frage, wie beeindruckend der Geschäftserfolg ist. Für jedes Kriterium wird eine Schulnote verteilt, so dass die besten Firmen effizient herausgefiltert werden.

Wie reagieren die Gründer auf diese Bewertungen?

Wer gewinnt, freut sich riesig. Denn die Anerkennung ist wirklich echt und die Preisverleihung ein Erlebnis. Verlierer reagieren völlig unterschiedlich: Die einen finden die Bewertungen gemein, die anderen lehrreich. Es ist eben ein Wettbewerb, und da gibt es immer Gewinner und Verlierer. Gründer müssen sich immer präsentieren, und deshalb ist unser Wettbewerb in jedem Fall eine gute Vorübung für das Geschäftsleben.

Das Finale findet dann am 12. November in Offenbach statt?

Ja, dann treffen sich die neun Auserwählten und präsentieren ihr Unternehmen mit Messeständen in den Räumen der Energieversorgung Offenbach (EVO). Parallel läuft eine Fachtagung der hessischen Gründungsförderer. Die „Profis“ bewerten dann die Neulinge, ihr Urteil fließt in die Beurteilung der Jury zur Hälfte mit ein. Bei einer Festveranstaltung unter anderem mit Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch und Offenbachs OB Horst Schneider werden die Gewinner dann geehrt.

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