Vielseitige Teamspielerin mit Schuh-Tick

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Noch ist die Amtsgerichtspräsidentin im Exil: Weil das alte Justizgebäude an der Kaiserstraße modernisiert wird, arbeitet Elisabeth Fritz in angemieteten Räumen. Die sehr feminine Justitia hat ihr ihre Familie geschenkt.

Offenbach - „Da wo man gerade ist, muss man sich mit ganzem Herz reinwerfen“, sagt Elisabeth Fritz. Und das tut die neue Amtgerichtspräsidentin offensichtlich auch: Vom Lokalderby auf dem Bieberer Berg bis zu Veranstaltungen im Capitol und bei der Industrie- und Handelskammer hat die Juristin schon einige Gelegenheiten genutzt, um sich bekannt zu machen. Von Simone Weil

Seit fünf Monaten arbeitet sie an der Kaiserstraße und hat bereits einiges über die Stadt und ihre Bewohner gelernt: „Viele Menschen identifizieren sich ganz stark mit Offenbach und sind hier sehr verwurzelt.“

Weil sie zuvor vier Jahre lang im ruhigen Taunusstädtchen Königstein als Direktorin des Amtsgerichts tätig war, musste sie sich viele Sprüche anhören, als sie sich in Richtung Offenbach verabschiedete: Von „mutig, mutig“ bis zu „Meinst Du, da passt Du hin mit Deinen Kostümchen?“ reichte das.

Die 53-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass sie modebewusst ist und ein Faible für Schuhe hat. „Ich interessiere mich für vieles und nehme am Leben teil: Mode gehört dazu.“ Vor allem aber habe sie keine Berührungsängste, sei eine Teamspielerin, offen und gehe auf die Menschen zu - unabhängig vom Bildungsgrad. „Ich will vermitteln, ich interessiere mich für sie und bin eine Präsidentin für alle.“ Schließlich hat es die Juristin bei ihren 270 Mitarbeitern lediglich mit 40 Richterkollegen zu tun. Geprägt hat die Mutter zweier Teenager die eigene Kindheit in einem 650-Seelen-Dorf in der Eifel: „Ich bin damit groß geworden, dass man nicht hochnäsig sein darf.“

Mit 18 Jahren war ihr Bedarf an Landleben gedeckt und sie zog zum Studium nach Saarbrücken. Der Onkel war Richter und hatte sie als Kind oft zu Verhandlungen mitgenommen: „Mit 12 oder 13 Jahren habe ich im Gericht gesessen und wollte das auch machen: Mit Menschen etwas verhandeln und Vergleiche schließen.“

Wegen zweier Kurzschuljahre war sie noch sehr jung, als sie mit der Juristerei begann: Das Studentenleben habe ihr toll gefallen, das Studium weniger. Jedenfalls anfangs. Zu Beginn sei alles abstrakt und sehr weit weg gewesen. Doch spätestens während des Referendariats am Gericht, als sich alles langsam mit Leben füllte, da wusste sie, „dass ich richtig bin“. Mit 25 trat sie ihre erste Stelle in der Staatskanzlei an. Dreieinhalb Jahre später war sie Richterin.

1988 zog sie der Liebe wegen nach Frankfurt: Ihren Mann, der auch Richter ist, hatte sie bei einer Fortbildung kennengelernt. Am Landgericht Frankfurt beschäftigte sich die heutige Gerichtspräsidentin, die am 1. Oktober offiziell in ihr Amt eingeführt wird, mit Haftungsklagen gegen Mediziner. Als Vorsitzende am Land- und Oberlandesgericht war sie für mehrere Zivilkammern verantwortlich, außerdem war sie hessenweit als Frauenbeauftragte für den richterlichen Dienst zuständig.

Neben ihren organisatorischen und repräsentativen Aufgaben ist die Kunstliebhaberin auch selbst noch als Familienrichterin tätig. In ihrer Freizeit hat sie sich in Mediation fortgebildet und hofft, ihre Erfahrung nutzen zu können.

Der große Unterschied zu ihrem vorherigen Arbeitsplatz im Taunus besteht vor allem darin, dass in Offenbach etwa in 90 Prozent der Fälle Prozesskostenhilfe gezahlt wird. Außerdem kommt es zu erheblichen Verzögerungen bei Verfahren, weil oft Dolmetscher gesucht und Vorladungen im Ausland zugestellt sowie fremdländische Rechtsvorschriften rausgesucht werden müssen.

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