IHK-Freude über Clariant-Einigung / Anwalt: Auch bei Enteignung zahlt Käufer die Sanierung

„Vision hat eine Hürde genommen“

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Vor dem Designpark steht die Entsorgung von Altlasten auf dem Ex-Chemieareal. Foto: kirstein

Offenbach – Die Industrie- und Handelskammer (IHK) freut sich, dass der im Masterplan beschlossene „Innovationscampus“ Wirklichkeit werden kann.

Die Einigung zwischen der Stadt und der Firma Clariant, dem bisherigen Eigentümer des früheren Chemieparks von Hoechst und später Allessa, macht die Türen weit auf für einen „Designpark“, in dem Unternehmen, Neugründungen, Hochschulen und andere Institutionen vernetzt und begleitet werden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner betont, dass nun die größte zusammenhängende gewerbliche Entwicklungsfläche im Kern der Region entwickelt werden könne: „Die Vision, an der wir gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt, dem Fachbereich Design der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und die Hessen Trade and Invest GmbH der Landesregierung arbeiten, hat eine wichtige Hürde genommen.“

Wie berichtet, kauft die Stadt nach zähen Verhandlungen das riesige Areal für sieben Millionen Euro; das ist ein Preis, der weit entfernt ist von den ursprünglichen Clariant-Vorstellungen und auch von marktüblichen Dimensionen für Gewerbegebiete im Rhein-Main-Gebiet. Das liegt auch an den dort vermuteten Altlasten, deren millionenschwere Sanierung die Stadt als Käuferin übernehmen muss.

Oberbürgermeister Felix Schwenke und der mit dem Geschäft betraute Hanauer Rechtsanwalt Harald Nickel widersprechen in diesem Zusammenhang der Auffassung, dass im Falle einer – auch ins Auge gefassten – Enteignung die Beseitigung giftiger Rückstände Aufgabe der bisherigen Eigentümer gewesen wäre – so wie es 2016 von der Stadt übermittelt wurde. Tatsächlich sei die Altlastenentsorgung „im Kaufpreis eingepreist“ und vom Erwerber zu tragen, erläutert Anwalt Nickel. Die Verkäuferin hätte allerdings geschätzte Sanierungskosten in ihren Bilanzen mitschleppen müssen. Nun hat laut Nickel aber „eine spezifische Regelung“ dazu geführt, dass „ohne Mehraufwand für die Stadt die Bilanzen der Verkäuferin entlastet werden“.

Die entsprechende, von ihm vorgeschlagene Konstruktion hält der in Erwerbs- und Entwicklungsstrategien erfahrene Hanauer Jurist für einen der Schlüssel, dass „der Eigentümer Clariant sich nach Jahren des Zögerns zum Verkauf zu für die Stadt ebenfalls sehr vorteilhaften Konditionen entschlossen hat“.

Bei der Stadt ist man zuversichtlich, ungeachtet der Höhe der Sanierungskosten unter dem Strich ein Schnäppchen gemacht zu haben. Den Kaufpreis allein relativieren bereits erhebliche Mieteinnahmen und erwartbare staatliche Zuschüsse.  tk

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