Völlig aufgelöst und abgedreht

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Offenbach/Langen - „Uuund Action!“ Regieassistent Sebastian Neubert betätigt die Klappe. Im Hallenschwimmbad Langen ist es plötzlich ganz still. Nur das stetige Schwappen des Wassers in die das Becken umfassenden Ablaufrinnen ist zu hören. Von Christian Riethmüller

Die Schauspieler Günter Loibl und Uwe H. Klörs stehen am Beckenrand. Kaum haben sie ihren Dialog begonnen, unterbricht Regisseurin Valeriia Didovyk die Szene. Auf ihrem Kontrollmonitor hat sie gesehen, dass ein Ende des Richtmikrofons ins Bild ragt. Künstlerpech, aber Alltag auf einem Filmset und ein Malheur, vor dem auch modernste Technik nicht zu schützen vermag. Solche Technik ist im Langener Hallenbad im Einsatz. Dort und an anderen Orten im Rhein-Main-Gebiet sowie in einem Studio an der Kaiserleistraße in Offenbach wird zwar vorrangig ein Kurzfilm mit dem Titel „Lebensfreunde“ gedreht, der später auf Festivals und in Kinos vorgeführt werden soll. Das Projekt ist aber gleichzeitig ein Test für eine neue Filmkamera. Der Offenbacher Kameramann Lutz Dieckmann hat eine vom Hersteller zur Verfügung gestellte Sony PMW-F55 im Einsatz. Für Laien sieht die Kamera wenig spektakulär aus. Ihre Profis begeisternde Aufnahmemöglichkeiten zielen aber auf ein Massenpublikum. Es handelt sich um eine sogenannte 4K-Kamera, deren Chip eine maximale Auflösung von 4 096 x 2 160 Pixeln liefert und damit eine Bewegtbildproduktion erlaubt, die für den neuesten Trend in der Unterhaltungselektronik, das UltraHD-Fernsehen, wesentlich ist.

„Bei Hollywood-Produktionen wird schon mit der 4K-Auflösung gearbeitet. Auch die BBC hat für ihre Dokumentationen teils 4K-Kameras im Einsatz“, erzählt Lutz Dieckmann, „doch ansonsten fehlt es noch massiv an Filmmaterial. Mit der Sony könnte sich das aber schnell ändern.“ Ein wichtiger Aspekt, so der Offenbacher Kameramann, ist dabei der Preis. Das Modell des japanischen Elektronik-Riesen ist schon zu Nettopreisen um die 30 000 Euro erhältlich und damit auch für kleine Produktionsfirmen interessant, die in 4K-Qualität drehen wollen. Um diesen Umstieg zu befeuern, stellen Sony und andere Produzenten von Film-Equipment ihre Gerätschaften für Filmvorhaben wie „Lebensfreunde“ kostenlos zur Verfügung. Neben der Kamera können Dieckmann und Regisseurin Didovyk so unter anderem auf ein Spezialstativ von Sachtler und neueste LED-Beleuchtung des Herstellers Arnold und Richter Cine Technik (ARRI) zurückgreifen.

Dieckmann, der auch verschiedene Lehrgänge und Online-Tutorials für Filmschaffende durchführt, erwartet, dass 4K-Produktionen in spätestens drei Jahren Standard sind. Darauf setzt auch das „Lebensfreunde“-Filmteam, das unentgeltlich an der Produktion mitwirkt. Als Dank für den Einsatz dürfen die Teammitglieder das Filmmaterial für eigene Zwecke nutzen, etwa als Bewerbungsmaterial oder Arbeitsprobe.

Wie Schauspieler Uwe H. Klörs erzählt, bringt er aber nicht allein für professionelle Filmaufnahmen seine Zeit in das Projekt ein. „Das Team ist mir ans Herz gewachsen“, sagt er - ungeachtet übrigens seiner Rolle, in der er Herzenswärme zu zeigen hat. Er spielt den trauernden Witwer Frieder, der zufällig seinen alten Studienfreund Thomas (Günter Loibl) wiedertrifft, den er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Thomas ist ein lebenslustiger Mensch, der den Trauerkloß Frieder ganz allmählich dazu bringt, wieder Freude am Dasein zu haben. Aber Thomas hat ein Geheimnis, das Frieders Freundschaft unter Beweis stellen wird. Die erste Runde der Dreharbeiten ist vergangene Woche beendet worden. Weitere Drehtage sind im April geplant.

Wann der fertige Film dann zur Aufführung kommt, steht noch nicht genau fest. Erstmals gezeigt werden soll er jedenfalls im Cinemaxx-Kinocenter in Offenbach. Dort wird auch ein „Making of“ von „Lebensfreunde“ zu sehen sein, das neben den Dreharbeiten entsteht.

Trailer des Kinofilms "Lebensfreunde"

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