Voll auf den Traktor

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Am gestrigen Landesaktionstag, den die Hessische Polizei unmissverständlich „Runter vom Gas“ betitelt hatte, warben Ordnungshüter auch im Einkaufszentrum KOMM für den Konsum einiger lebenserhaltender Erkenntnisse. Beispielsweise die, dass ein Frontalzusammenstoß schon bei einem als gering empfundenem Tempo verheerende Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann. Wo Aufklärung abprallte, setzten die Polizisten auch mal auf Angst.

Offenbach ‐ Der Fahrer des blauen Autos kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und kracht in den Traktor, der plötzlich von einem Feldweg auf die Hauptstraße ausgeschert ist. Von Denis Düttmann

Dabei ist der Mann noch nicht mal viel zu schnell gefahren – gerade mal 60 Sachen in einer 50er-Zone. Doch bei regennasser Fahrbahn potenziert sich der Bremsweg, der Wagen prallt mit immer noch 45 Stundenkilometern auf den Schlepper. Zum Glück wird niemand verletzt - der Unfall ist lediglich Teil einer Computersimulation. „Die Reaktions- und Bremswege sind wesentlich länger, als man glaubt“, sagt Polizeikommissar Andreas Fink. „Jede Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erhöht deshalb das Unfallrisiko.“ Beim Landesaktionstag der hessischen Polizeipräsidien informierten die Beamten gestern unter dem Motto „Runter vom Gas“ Passanten und Kunden im KOMM über die Gefahren des Straßenverkehrs.

Wir wollen die Leute für das Thema sensibilisieren und für mehr Rücksichtnahme und Vorsicht werben“, erklärt der Leiter der Verkehrsinspektion, Willi Schleich. Zeitgleich messen fünf Kontrollkommandos an Unfallschwerpunkten in Stadt und Kreis Offenbach sowie im Main-Kinzig-Kreis die Geschwindigkeit und ziehen Temposünder gleich aus dem Verkehr. Das ist keine Simulation, das ist ernst. Am Info-Stand im Erdgeschoss des Einkaufszentrums unterdessen lassen Fotos von spektakulären Unfällen den Atem stocken, eine Computerpräsentation schildert in drastischen Worten einen tödlichen Auffahrunfall und in Broschüren werden wortreich die Risiken von zu schnellem Fahren erläutert.

Moralische Zeigefinger nicht immer am effektivsten

Doch der moralische Zeigefinger ist nicht immer die effektivste Methode, um die Leute zum Umdenken zu bewegen. Der Aufprall-Schlitten auf dem Aliceplatz bringt wohl mehr als tausend Worte. „Wir simulieren hier einen Frontalzusammenstoß mit 30 Kilometern pro Stunde“, erklärt Hauptkommissar Stefan Adelmann. In einem Autositz rutschen die Testpersonen eine Metallrampe hinab und knallen schließlich gegen eine Barriere. Der Kopf wird nach vorne geschleudert, der Gurt schneidet in die Brust und ein Schock fährt durch den gesamten Körper. „Wer das hier einmal erlebt hat, der nimmt Geschwindigkeit ganz anders wahr“, weiß Adelmann. „Man spürt einmal am eigenen Körper, welche Kräfte schon bei niedrigen Geschwindigkeiten wirken.“

Mit dem Landesaktionstag möchte die Polizei die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, mit dem praktisch jeder zu tun hat. Gerade weil der Straßenverkehr aber so alltäglich ist, verdrängen viele die Gefahren, beklagt die Polizei.

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