Bieberer Kerb

Volle Bänke von Anfang an

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Autoscooter gehört zu jeder richtigen Kerb dazu. Auch in Bieber hatten vor allem Kinder und Jugendliche ihren Spaß daran.

Bieber - Dominik Weingärtner ist schon zufrieden, als in Bieber die Kerb gerade drei Stunden läuft und die Leute seine Grillhütte und den Bierstand belagern. Von Stefan Mangold

Zwar hat auf etlichen Festen in Offenbach und Umgebung der verregnete Sommer die Stimmung verhagelt – nicht so zur Bieberer Kerb. Da herrschte an allen fünf Tagen eitel Sonnenschein mit Höchsttemperaturen auf dem Ostendplatz.

Traumwetter zur Bieberer Kerb

Seit neun Jahren baut Weingärtner dort auf. Die Kerb ist der Auftakt für seine Herbsttour, „jetzt fahren wir nur noch auf Feste in der Umgebung“. Ansonsten versorgt der Schausteller etwa in Frankenberg oder auf dem Erbacher Wiesenmarkt Besucher mit Fritten, Würstchen und Gerstensaft.

Wert legen auf Kontinuität

„Auf Kontinuität legen wir Wert“, betont Heinz-Josef Lorz (63), Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine. Diese organisiert seit 21 Jahren die Kerb. Seit sich der Ostendplatz im neuen Gewand präsentiert, „bekommen wir viele Anfragen von Schaustellern“. Niemand wolle aber die gute Zusammenarbeit mit denen in Frage stellen, die seit Jahren dort ihre Stände haben.

An einem davon rumst es ständig. Gummi knallt auf Gummi, und die Mädchen kreischen. Da, wo die Autoscooter fahren, die zu jeder richtigen Kerb gehören. So manchen erwachsenen Betrachtern versteift sich nur vom Zuschauen der Nacken, wenn die Kinder und Jugendlichen so heftig gegeneinander stoßen. Den jungen Piloten hingegen macht das offenbar nichts aus.

Ausgleich für den bis dahin miserablen Sommer

Schon ab Freitagmittag zum Kerbbeginn seien die Bänke voll gewesen, strahlt Heinz-Josef Lorz. Die Szenerie wirkt, als suchten die Menschen einen Ausgleich für den bis dahin miserablen Sommer. Lorz läuft herum und verteilt Getränkemarken, wie an die Einradfahrerinnen von der Germania Bieber, die den Kerbmarsch von der St.-Nikolaus-Gemeinde bis zum Ostendplatz begleitet haben.

Langsam mussten sie fahren, damit der Spielmannszug des Musikvereins Eintracht unterwegs so viele Lieder wie möglich spielen konnte. „Wenn man schleppend läuft, schafft man es, den Weg auf zehn Minuten zu strecken“, sagt der Germania-Vorsitzende Rolf Sandmann, der mit etwa 80 weiteren Bieberern im Zug mitlief. Die Teilnehmerzahl sei in den letzten Jahren stetig nach oben gegangen, beobachtet Lorz zufrieden, „vor vier Jahren waren es nur zwischen 30 und 40“.

Pächtern fehle Bezug zur Kerb

Fritz Atzenböck (72), Mitglied im Vorstand des Bieberer Heimatvereins, erzählt von der Tradition der Kerb, fest eingebunden ins katholische Milieu des Stadtteils, der seit 1938 politisch zu Offenbach gehört. „Früher hatten alle Gastwirtschaften einen Kerbborsch draußen hängen“, erinnert sich Atzenböck. Die Kerb war eng mit den Kneipen verbunden. „Heute sind überall Pächter drin. Denen fehlt der Bezug“.

Den offiziellen Kerbborsch richtete lange Zeit Giesela Kern her. Die hat ihr Amt an Ulla Schulz übergeben, die Trainerin der Einradfahrerinnen. „Anders als in Bürgel, wo der Kerbborsch verbrannt wird, holen wir ihn am Ende nur ein“, weist Atzenböck auf lokale Unterschiede hin. Er hatte bis in die vergangenen Jahre an seinem Haus an der Seligenstädter Straße gegenüber immer seinen eigenen montiert, „aber den aus dem Keller zu schleppen, ist mir zu mühsam geworden“.

Den neu gestalteten Ost-endplatz sieht der Heimatfachmann als Grund für den Aufschwung der Kerb. Hans Winter, der Vorsitzende des Gesangsvereins Concordia, und Heinz-Josef Lorz „haben sich da ganz ruhig dahinter geklemmt“. Seit gestern ist die Kerb vorbei. Der Borsch muss nun wieder ein Jahr pausieren.

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