Vollmundig bis spritzig

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Das sieht professionell aus: Mit einer Hand zapft der Mann den frischen Gerstensaft in einen Bierseidel. 

Offenbach - Von der Oberschwäbischen Backstube weht’s herzhaft über den Stadthof. Die Bäcker aus dem Ländle ziehen knuspriges Bauernbrot und die Spezialität der Region - Seelen - aus dem Ofen. Von Denis Düttmann

Die süddeutschen Baguettes aus Dinkelmehl werden mit Kümmel und Salz bestreut und dann mit Schinken oder Käse belegt. Aber sie würden sicherlich auch gut zu den saftigen Spanferkelschinken der Metzgerei Weller passen, die sich ein paar Stände weiter über dem Grill drehen. „Die sind hervorragend“, lobt eine Kundin, die das Fleisch probiert hat. „Sehr würziger Geschmack und schön zart.“

Impressionen des Bierfestes

Bierfest in der Innenstadt

Das Bierfest in der Innenstadt hat noch einmal eine Chance bekommen. Im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter eine Zwangspause einlegen müssen - die AG Feste war mit Qualität und Gesamtkonzept des traditionsreichen Straßenfestes unzufrieden und verweigerten die Genehmigung. Jetzt soll alles anders werden: Frischen Wind versprechen sich die Organisatoren von kleinen Brauereien und Anbietern regionaler Spezialitäten, die sie auf die so genannte Motto-Meile eingeladen haben.

Ein Hingucker war sicher der rote Londoner Stadtbus, an dem natürlich eine dunkle Biersorte ausgeschenkt wurde.

Vor allem Frauen trinken gerne unser Feuerbier“, sagt Michael Rauh, Junior-Chef der Marburger Brauerei. „Es ist ein etwas süßeres Schwarzbier und soll aphrodisierende Wirkung haben.“ Bei der Herstellung wird die Stammwürze mit einem speziellen Schnaps flambiert, wobei der Malzzucker karamellisiert. Eine weitere Spezialität der Mittelhessen ist das naturtrübe Kräusen Pils. „Kräusen ist der Fachbegriff für den Schaum, der sich nach der Gärung auf dem Bier absetzt“, erklärt der Senior, Klaus Rauh. „Weil wir das Bier nicht filtern, bleiben besonders viele Nährstoffe und Vitamine erhalten.“ Das schmecke nicht nur lecker, sondern sei auch gut für die Haut. So kämen regelmäßig Gäste in das Marburger Brauhaus, um ein Bad in dem wohltuenden Gerstensaft zu nehmen. „Gerste und Hopfen, die wir verarbeiten, stammen aus ökologischem Anbau und werden regelmäßig kontrolliert“, sagt Klaus Rauh. „Wir brauen ein echtes Bio-Bier.“ Ob Natur belassen oder nicht - den Besuchern schmeckt es auf jeden Fall. „Das ist Mal etwas anderes - wirklich lecker“, sagt einer, der es sich auf der Festzeltgarnitur unter den Platanen gemütlich gemacht hat und per Mini-Fernseher die Bundesliga verfolgt.

Rund um den Stadthof hatten die Offenbacher sichtlich ihren Spaß auf dem Fest, das heute endet.

Lust auf etwas Neues haben auch die Gäste am Stand der Brauerei Eibauer aus der Oberlausitz: Ob das weltweit erste Schwarzbier Pilsner, helles Landbier oder dunkler Bock - das Bier aus Sachsen verspricht Geschmackserlebnisse jenseits des Einerleis aus der Massenproduktion. „Schmeckt interessant“, urteilt ein Besucher, der gerade ein Lausitzer Dunkel kostet. „Könnte ich nicht jeden Tag trinken, aber ab und an ist das wirklich lecker.“ Auf der Bühne bereiten sich die Musiker der Frankfurter Cover-Band Was'n unterdessen auf ihren Auftritt vor. Die Spaßkapelle um Frontfrau Ilona Hauser setzt kurz darauf zu einem Parforce-Ritt durch die Musikgeschichte an, hetzt von Van Halen und Deep Purple über die Blues Brothers und Village People bis zu hin zu den Ärzten und Joachim Witt. „Das Bierfest ist in diesem Jahr wirklich gelungen“, sagt ein Besucher aus Obertshausen am Stand der Brauerei Kloster Andechs. „Das neue Konzept mit den kleinen Brauereien gefällt mir und die Stimmung ist auch gut.

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