Online ging es nicht

Erlebnisbericht über den Versuch, einen Corona-Impftermin zu bekommen

Erst mal kein Anschluss unter dieser Website...
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Erst mal kein Anschluss unter dieser Website - viele Bürger versuchten zunächst vergeblich, einen Termin über das Serviceportal zu ergattern..

Für die Anmeldung zur Corona-Impfung ist viel Geduld und Ausdauer nötig. Callcenter sind überlastet und nur schwer erreichbar.

Offenbach – In diesen Tagen steigt man am besten mit etwas Positivem ein: Frau K. ist es am Mittwoch nach nur zweitägigen Bemühungen gelungen, online gleich zwei Impftermine für ihre Schwiegermutter zu ergattern. Sie konnte dazu ausreichend Geduld und Ausdauer aufbringen, hatte die 84-Jährige zudem bereits am ersten Tag registrieren können.

Leser Harald Stadtmüller, der für seine 89-jährige Mutter tätig werden wollte, hat der Redaktion der Offenbach-Post einen Erlebnisbericht zukommen lassen. Er bemüht J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ und überschreibt ihn mit „Das dunkle Land Mordor oder der Versuch, einen Impftermin in Hessen zu vereinbaren“. Was er schildert, deckt sich mit dem, was unsere Zeitung am Dienstag unter der Schlagzeile „Chaos bei der Impf-Anmeldung in Hessen“ zusammenfasste: zu viele Anfragen, das System kollabiert. Stadtmüller sarkastisch: „ Die geplanten und zur Verfügung gestellten Serverkapazitäten verschaffen den handelnden Personen sicherlich keinen verantwortlichen Job in der für Planung zuständigen Führungsebene bei Amazon – und dort geht es nur um Buchbestellungen.“

Komplizierte Corona-Rufnummer 116 117

Unser Leser fährt doppelgleisig, probiert’s geschlagene zwei Stunden auch übers Telefon: „Zuerst die offizielle 116117. Falls ich mich für Informationen über Corona interessiere, möge ich die 1 oder 2 auf der Tastatur drücken. Falls ich impfinteressiert bin, nochmals die 2. Für die Weiterleitung müsse ich meine Postleitzahl eingeben. Danach erhielt ich die Information, dass alle Leitungen belegt seien und ich es später nochmals versuchen sollte.“

Harald Stadtmüller entdeckt auf der Website die hessische Nummer 0611 50592888: „Es war entweder besetzt, oder man bedankte sich für mein Impfinteresse, momentan seien aber alle Leitungen belegt...“

240 Einwahlversuche bei der Corona-Hotline

Nach einer Stunde und 240 Einwahlversuchen hat er einen sehr freundlichen Mitarbeiter an der Strippe, der die Daten aufnimmt und und ihm einen Code gibt, unter dem er es ab 14 Uhr nochmals probieren solle: Das Impfzentrum habe momentan keinen Termin frei.

14.20 Uhr: Er kann seinen Code durchgeben. Der Mitarbeiter bedauert aber, er könne für Hessen nicht durchkommen. Stadtmüller schließt daraus messerscharf: Auch über die Hessen-Nummer landet man nur wieder im gesamtdeutschen Callcenter – bloß schneller.

Bindeglied für Leute ohne Internet

Weitere Nachfragen ergeben, dass der Mitarbeiter dort für die Terminvereinbarung auch nur die Website nutzt, auf der Stadtmüller nicht weiterkommt: „Auf meine Frage, ob er nur das Bindeglied für Bürger ohne Internetanschluss sei, sagte der Mitarbeiter, das könne man so sehen. Er bestätigte auch, dass ich bei Nutzung der gleichen Website wie er ohne Telefonhotline schneller sei.“

Eine Empfehlung

Nach einer weiteren Online-Stunde hatte Stadtmüller seinen Termin. Er empfiehlt: „Liebe Mitbürger ohne Internet – meidet die 116117, wählt gleich die 0611 50592888. Am besten aber findet ihr jemanden, der euch beim Internet hilft, denn es nutzt euch nichts, telefonisch durchzukommen, wenn der arme Tropf an der Hotline auch nur die Website anwählt, um euren Termin zu vereinbaren.“ (Thomas Kirstein)

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