Kommentar: Frankfurt schmäht Offenbach

Kommentar: Vorbei am Allerwertesten?

Wenn Frankfurter eigene Minderwertigkeitskomplexe kompensieren, indem sie die kleinere Nachbarstadt und ihre Bewohner runtermachen, müsste das den Offenbacher eigentlich am Allerwertesten vorbeigehen. Es kommt ja selten Neues. Von Thomas Kirstein

Auf der anderen Mainseite bemühen sie sich beim Schmähen kaum um Originalität, sondern verlassen sich darauf, dass allein die Erwähnung von Offenbach (am besten in Verbindung mit Autofahren oder türkischem Bevölkerungsanteil) schon für einen Lacher gut sein wird. Aber der auf Geringschätzung basierende Glaube, Offenbach nicht mit Niveau beleidigen zu müssen, der schmerzt: Mögen sie über die Bärte ihrer Witze stolpern und sich die einfallslosen Lästermäuler aufschlagen!

Ehrender Erwähnung ist freilich wert, wer Kontra gibt und öffentlich eine dämliche OF=Ohne-Führerschein-Variante als beleidigend und verletzend geißelt. Auch wenn einer, der Oberbürgermeister aller Offenbacher werden möchte, auf Parteifreunde keine Rücksicht mehr nehmen darf, war es keine Selbstverständlichkeit, wie der CDU-Fraktionschef Peter Freier seinem CDU-Kollegen im Römer sehr deutlich die Meinung geigte. (Er hasse an Frankfurt, hatte Unionsmann Helmut Heuser die „Bild“-Zeitung drucken lassen, dass die Offenbacher bei Regen nicht Auto fahren können und Frankfurts Straßen blockierten.)

Keineswegs am Allerwertesten vorbei geht indes, was das in der Speckgürtelgemeinde Bad Vilbel beheimatete Hitradio FFH gestern Morgen über die Grenzen Hessens hinaus als Comedy verbreitete (für den Wortlaut siehe „O-Ton“). Das tat hiesigen Hörern tatsächlich weh: Denn originell war’s durchaus, wie hier ein Jogi-Löw-Parodist die - einzel betrachtet, blödesten - Offenbach-Vorurteile verbreitete. Das hämisch-zustimmende Amüsement im FFH-Land ist gut vorstellbar, das Echo der Schenkelklatscher über eine kriminelle Döner-Metropole, in der die deutsche Ayshe lebt, klingt nach. Das erbost: Es handelt sich nicht mehr um zulässige Satire, wenn die Schwachen das Ziel sind, wenn also eine arme Stadt von den reichen Nachbarn als Underdog vorgeführt, getreten und billigem Spott ausgesetzt wird. So etwas muss wirklich niemand großmütig und über den Dingen stehend ertragen.

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