Vorbildliche Lückenfüller

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So langsam machen sich in der östlichen Innenstadt die Studenten breit. Eine Entwicklung, die von der Stadt vorangetrieben wird.

Offenbach ‐ Es gab mal Zeiten, da waren Studenten als Bürgerschreck verschrien, galt das Vermieten von Wohnungen an sie als ein kleines Wagnis. Lange, lange ist das her, mittlerweile taugen Studenten sogar als richtige Vorbilder. Fürs Offenbacher Mathildenviertel etwa. Von Matthias Dahmer

Um das Problemquartier aufzuwerten, die Bevölkerungsstruktur dort zu verändern, sollen nach und nach angehende Akademiker in die östliche Innenstadt gelockt werden. Leute, „die nicht auf den Bürgersteig spucken“, wie Winfried Männche, Chef der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO), sagt. Man wolle die Bevölkerung aber nicht verdrängen, sondern das Viertel „auffüllen“.

Wohnheim auf 600 Quadratmeter großer Lücke

Bereits Anfang Oktober hatte Studenten der Frankfurter School of Finance & Management sanierte Immobilien in der Hermann-Steinhäuser Straße bezogen, jetzt folgt im Mathildenviertel ein weiteres Bauprojekt für Studierende: An der Arthur-Zitscher-Straße 6 zwischen Mathildenschule und Gründerzentrum Ostpol° wird die GBO ein 600 Quadratmeter große Lücke nutzen, um dort ein neues Wohnheim zu bauen. Für 1,2 Millionen Euro entstehen 20 Appartements. Baubeginn ist im Frühjahr 2010, ein Jahr später soll alles fertig sein.

Das Vorhaben passt ins erklärte Ziel der Stadt, Offenbach als Wohnstandort für Studenten attraktiver zu machen. Im März 2008 hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat beauftragt, eine entsprechende Strategie zu entwickeln, den Bericht dazu hat jetzt Stadtsprecher Matthias Müller vorgelegt. Er wolle öfter „Die Zeit“ statt „Hürriyet“ am Zeitungskiosk sehen, es müsse mehr Ramazotti als Mariacron verkauft werden, formuliert Müller in Anlehnung an GBO-Chef Männche die Marschrichtung.

Zwei Prozent der Offenbacher sind Studenten

Laut Statistik vom Mai 2008 leben rund 2.500 Studenten mit Erst- oder Zweitwohnsitz in Offenbach. Das sind zwei Prozent der Bevölkerung. Trotz der zentralen Lage Offenbachs und niedrigerer Mieten als in Frankfurt ein eher unterdurchschnittlicher Wert, wie Matthias Müller sagt. Von den rund 40.000 Studenten der Frankfurter Uni leben nur 1.200 in Offenbach, von den 600 Studierenden an der Hochschule für Gestaltung hat ein Drittel eine Adresse in der Stadt. Wer seinen ersten Wohnsitz hier hat, bringt auch der Stadt bares Geld. Über den Finanzausgleich fließen pro Student bis zu 500 Euro nach Offenbach.

Viele Studenten, berichtet Stadtsprecher Müller, scheuen indes einen Wohnsitzwechsel. Über die Gründe kann er nur spekulieren. Möglicherweise spielen in einschlägigen Internet-Foren kursierende Gerüchte eine Rolle, wonach die Aufgabe des ersten Wohnsitzes bei den Eltern finanzielle Nachteile mit sich bringt. Das meiste davon stimmt nicht, so Müller.

Plakate, Kinospots, Internetwerbung

Er schlägt in seinem Bericht vor, zur Aufklärung ein Infoblatt zu erstellen. Es wäre Teil einer Kampagne, für die rund 15.000 Euro benötigt werden. Unter anderem schweben dem Stadtsprecher dabei Plakate, Kinospots, Internetwerbung, Praktikumsplätze, ein symbolisches Begrüßungsgeld und in Zusammenarbeit mit der städtischen Sparkasse ein zinsgünstiges Studiendarlehen vor.

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