Vorbote für Veränderungen

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Das Senefelder-Quartier ist künftig Anlaufstelle für Bewohner und Vereine des Stadtteils.

Offenbach - Einer wie Lutz Plaueln erscheint zur Eröffnung des Stadtteilbüros Senefelder-Quartier in der Hermannstraße 16 in doppelter Funktion. Zum einen als SPD-Stadtverordneter, zum anderen wohnt der 69-Jährige selbst sein Leben lang im Viertel. Von Stefan Mangold

Er weiß, welche Läden vorher zu wenig verkauften, um sich halten zu können, wie etwa das Blumen- und ein Schlüsselgeschäft: „Alles anständige Leute, aber die Ecke läuft nicht.“ Mit diesem Problem dürfte sich Quartiersmanagerin Sabine Süßmann freilich nicht herumschlagen. Nach Lauterborn, Nordend und dem Mathildenviertel schnitt Ordnungsdezernent Felix Schwenke (SPD) am Freitag das vierte Band an der Schwelle eines Stadtteilbüros entzwei. Die drei bisherigen Büros sind gut genutzte Treffpunkte. Das Viertel südlich vom Bahndamm trage im Grunde keinen Namen, bemerkt Schwenke. Alois Senefelder, Erfinder der Lithographie, bot sich als Namensgeber für das Stadtteilbüro deshalb geradezu an. Schließlich habe der Druckmaschinenhersteller MAN-Roland ganz in der Nähe an der Christian-Pleß-Straße ein Werk betrieben.

Schwenke sieht das Büro als Teil bevorstehender baulicher Veränderungen im Viertel. Das arme Offenbach zeige, „wie es funktioniert, wenn die Stadt mit den eigenen Gesellschaften kooperiert“. Denn die Miete überweist die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO). Deren Geschäftsführer Winfried Männche erzählt von seinen Erfahrungen im Quartier. Im Hochhaus gegenüber sei er aufgewachsen, aus dem Fenster schaute er auf ein Trümmergrundstück. Inzwischen liegt dort längst ein beliebter Spielplatz.

Sabine Süßmann leitet seit 2007 das ebenfalls von der GBO finanzierte Projekt „Besser leben in Offenbach“. Das neue Stadtteilbüro sieht sie auch als Anlaufstelle für Bürger, die ihre Vorstellungen bei der Umsetzung des anstehenden Städtebauförderprogramms des Landes einbringen wollen. Sie selbst werde künftig wöchentlich zu einem festen Termin als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen.

Gruppen und Vereine können den Raum stundenweise mieten. Das kommt vielleicht auch für Mahshid Najafi und Nilgün Burghardt vom Verein für Kultur und Bildung (KUBI) in Frage, der das Projekt „ELMO – Eltern lernen mit in Offenbach“ betreut. Momentan hält Burghardt die Gesprächsrunden im Büro in Nordend ab. Doch das Senefelder-Büro biete sich an, denn die meisten Teilnehmerinnen wohnten in der Gegend. Auch die Hebammen Gabriele Glaser und Sheler Khizri werden dort im Auftrag der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ jeden letzten Mittwoch eines Monats Familien mit Babys beraten.

Erschienen ist auch Marcus Schenk. Der Quartiersmanager für Mathildenviertel, Lauterborn und Nordend, vergleicht Offenbach mit Neukölln: „Das nimmt sich wenig.“ Den Grund, warum am Main im Vergleich zum Berliner Stadtteil jedoch sozialer Friede herrsche, sieht er vor allem in der engen Zusammenarbeit der Institutionen. Das bestätigt Oberkommissar Hans-Karl Grießmann vom 2. Revier. Heikle Areale gebe es nicht mehr. Besonders das Mathildenviertel und das Lauterborn hätten sich beruhigt. Die Leute akzeptierten ihn als Ansprechpartner, „die Scheu vor meiner Uniform ist abgelegt“. Was bei der Polizei für einen einstigen Brennpunkt galt, treffe heute nirgends mehr zu. Damals lautete eine Direktive: „Niemals alleine in den Lohwald.“

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