Werbung für das gute Buch

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Aus diesen Büchern lasen die Kinder unter dem Dach der Stadtbücherei im Beisein von Eltern und Mitschülern.

Offenbach - Eine bessere Reklame könnte sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kaum wünschen. „Bunt gestaltet und für jede Schultasche geeignet“ sei ihr Buch, wirbt Ümran Dogan. Von Markus Terharn

„Es macht Spaß, Bücher zu lesen“, fügt die kesse Sechstklässlerin aus der Bachschule hinzu. Beim Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs legt sie einen selbstbewussten Auftritt hin. Der Sieg ist Ümran gewiss, weil sie in ihrer Kategorie die einzige Kandidatin ist.

Das Werk, das ihr so gefällt, ist „Ella in der Schule“ von Timo Parvela. Schüler begleiten darin ihren Lehrer zum Treff mit einem Erpresser. Ebenso spannend geht es unter dem Dach des Bücherturms zu, wo die besten Vorleser aus Offenbacher Schulen um die Teilnahme auf Bezirksebene wetteifern. Die Jury (die Buchhändler Andrea Tuscher und Bernhard Behringer, die Bibliothekarinnen Christine Fröhlich und Sonja Elfe, der Verfasser dieser Zeilen) ist um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Und einigt sich nach sachlichem Hin und Her auf eine Siegerin: Lina Krüger. Mit strahlendem Lächeln und so lebhaftem wie abwechslungsreichem Vortrag aus Cornelia Funkes Schmöker „Geisterritter“ nimmt die Schillerschülerin schnell für sich ein.

Verlierer gibt es an diesem Tag nicht, nur zweite Sieger. Funkes „Geisterritter“ hat auch Jonas Dapp galoppieren lassen. Der Albert-Schweitzer-Gymnasiast liest im Stehen, trägt ein fröhliches Grinsen zur Schau, beweist Sinn für Humor und Spontaneität. Tadelloses Benehmen zeigt Leibnizschüler Martin Sahattchiev, der sich erst vorstellt („Guten Tag, ich heiße Martin“) und seine Zuhörer dann mit Roddy Doyles „Wildnis“ auf Husky-Tour zu einer finnischen Holzhütte mitnimmt.

Praktisch fehlerfrei ist der Vortrag von Anna-Lena Fiedler: Die Geschichte von „Molly Moon“, geschrieben von Georgia Byng und vorgelesen von der Marienschülerin, erfordert volle Konzentration. Erheiternd geht es in Rick Riordans „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ zu, das altgriechische Mythen ins moderne Los Angeles verlegt: Rudolf-Koch-Schüler Niklas Dornhöfer gestaltet dies mit frischer Betonung und Witz.

Wenn doch die Ferien nie zu Ende gingen! Den alten Schülertraum hat Sabine Ludwig in „Der 7. Sonntag im August“ konsequent zu Ende gedacht, was der Mathildenschülerin Alexandra Minska-Pereira Gelegenheit zu zügiger Erzählung bietet. Atemlose Dramatik erzeugt Edith-Stein-Schüler Anas El Bagdadi mit der Schlachtenschilderung aus Christopher Paolinos „Eragon“-Saga.

Blickkontakt zum Publikum sucht Marianne-Frostig-Schüler Julien Schiernbeck, der in Jason Darks „3 Helden. Gefährliche Agentenfracht“ einem eiskalten Entführer seine Stimme leiht. Einen Bonuspunkt für literarisch hochwertige Auswahl verdient sich schließlich die Ernst-Reuter-Schülerin Dounia Tahri mit Franz Kafkas „Brief an den Vater“.

Buchhändlerin Helma Fischer hält eine Herausforderung bereit: Jedes Kind muss einen ihm unbekannten Text meistern. Da nützt die beste Vorbereitung nichts; da zeigt sich, wer eine neue Materie rasch auffassen kann. Und die Zuhörer – Mitschüler, Freunde, Eltern – lernen auf diese Weise, ob ein Schwein pfeifen kann oder wie der Wetterfrosch zu seinem Job gekommen ist. So profitieren alle und bekommen Lust, wieder ein Buch zur Hand zu nehmen – im Handel zu erwerben oder in der Bibliothek auszuleihen...

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