„Vorschrift ist Vorschrift“

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Heike Dreiser und Bernd Zeisler von der Stadtpolizei kontrollierten gestern beim „Hundetag“ Hundehalter und ihre Vierbeiner, so wie hier auf dem Mainvorgelände.

Offenbach ‐ Buddy ist sichtlich aufgeregt. Der schwarz-weiße Mischling streicht an den Beinen seiner Besitzerin entlang, spitzt die Ohren und nimmt Witterung auf. Lyn Saile hat ihren Hund zwar ordnungsgemäß angeleint und auch eine Plastiktüte für Kot dabei, aber die Steuermarke fehlt. Von Denis Düttmann

Feldschutzmeister Bernd Zeisler funkt die Personalien der 17-Jährigen an die Zentrale, dann darf sie ihren Spaziergang durch den Dreieichpark fortsetzen. Die Stadtpolizei kontrollierte gestern während eines Schwerpunkttags Hunde und ihre Halter am Mainvorgelände, in Bieber und Bürgel sowie in den Parkanlagen. „Insgesamt haben wir acht Mitarbeiter in zwei Schichten im Einsatz“, sagt Dienstgruppenleiter Olaf Schuhmann. „Wir kontrollieren Steuermarken und Listenhund-Ausweise und setzen den Leinenzwang durch.“ Seit 2007 ist zudem jeder Gassigänger verpflichtet, mindestens eine Plastiktüte mitzuführen, um den Kot des Hundes zu entsorgen. „Beim ersten Verstoß belassen wir es meistens bei einer Verwarnung“, erklärt Feldschutzhauptmeisterin Heike Dreiser.

Ab dem zweiten Mal verhängen die Stadtpolizisten dann Verwarn- oder Bußgelder: Das Gassigehen ohne Leine kostet 35 Euro, wer ohne Tüte angetroffen wird, zahlt 10 Euro und wer den Haufen seines Hundes nicht entsorgt, muss zwischen 50 und 100 Euro entrichten. „In der Regel sind die Leute recht einsichtig“, hat Dreiser beobachtet. „Ich versuche immer, ihnen ruhig und sachlich den Zweck der Vorschrift zu erklären und mich nicht auf längere Diskussionen einzulassen.“ Während sich so mancher Halter von den Stadtpolizisten über Gesetze und Verordnungen belehren lassen muss, lohnt sich die Kontrolle für die Hunde fast immer: Für sie hat Dreiser stets ein paar Leckerli in der Hosentasche. Auch gestern gibt es bei den Kontrollen wenig zu beanstanden: Eine Spaziergängerin hat ihren Hund am Mainufer trinken lassen und nimmt ihn erst wieder an die Leine, als die Uniformierten in Sichtweise sind. Eine junge Frau kann keine Steuermarke für den schwarzen Pudel vorweisen, weil sie das Tier nur für eine Woche von ihren Eltern in Pflege genommen hat.

Dazwischen immer wieder Halter, die alles richtig gemacht haben: Die Hunde gehen brav an der Leine, die Herrchen haben mehrere Tüten dabei und auch die Steuermarke baumelt ordnungsgemäß am Halsband. „Ich finde die Kontrollen richtig“, sagt ein junger Mann, der mit zwei Bobtails am Main spazieren geht. „Nur so kann man dafür sorgen, dass sich auch alle an die Regeln halten.“ Die Einhaltung des Leinenzwangs liegt den Mitarbeitern der Stadtpolizei besonders am Herzen. Freilaufende Hunde stellen schließlich eine konkrete Gefahr für Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer dar. „Da hilft es auch nicht, wenn mir ein Halter versichert, dass sein Hund aufs Wort hört“, sagt Bernd Zeisler. „Vorschrift ist Vorschrift.“

In Offenbach sind Hunde generell in allen Gebieten mit Wohnbebauung an der Leine zu führen. Frei laufen dürfen die Vierbeiner hingegen in offener Feldgemarkung und im Wald. „Wir können heute natürlich nur einen kleinen Teil aller Hunde in der Stadt kontrollieren“, gibt Dienstgruppenleiter Schuhmann zu. „Mit unseren zwei Hundetagen pro Jahr setzen wir aber einen Schwerpunkt und zeigen, dass wir das Thema ernst nehmen.“ In Offenbach sind rund 3 000 Hunde registriert – das Ordnungsamt geht jedoch von einer hohen Zahl illegaler Tiere aus. „Die Ergebnisse unserer Kontrollen lassen darauf schließen, dass zahlreiche Hunde nicht angemeldet sind“, schlussfolgert Sachgebietsleiter Christian Broos.

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