Vortrag entführt in Leben und Werk des Klassikers

Offenbach ‐ Vor 150 Jahren feierten die Offenbacher Friedrich Schillers hundertsten Geburtstag drei Tage lang mit Glockengeläute, Umzug, Festakt und Bankett. Der 250. Geburtstag blieb dagegen eher unauffällig. Von Lothar R. Braun

Am Dienstag beschränkte sich die öffentliche Wahrnehmung auf einen Vortrag in der Volkshochschule. Der Germanist und Historiker Karl Keller sprach zu Lichtbildern über Leben und Werk des Klassikers, der einmal mehr verehrt wurde als sein Freund Goethe.

Immerhin, der Saal war gefüllt, und die Besucher zählten keineswegs nur zu den Generationen, die in ihrer Jugend das Lied von der Glocke noch auswendig lernten. Keller führte sie ins Elternhaus des Dichters und stellte die Eltern vor. Mit dem Knaben Schiller erlitt das Publikum die Qualen in der Hohen Karls-Schule. Es guckte dem Verfasser der „Räuber“ bei der Arbeit an seinem Erfolgs-Erstling über die Schulter und rastete mit ihm im Neu-Isenburger Wald bei der Flucht vor seinem tyrannischen Herzog. Und es sah seinem Sterben zu.

Unaufdringlich schob der Vortragende Anmerkungen ein

Keller zeigte die Schauplätze der Schillerschen Dramen und erkannte eine Parallele zum Autor Karl May. Beide haben nie mit eigenen Augen die Schauplätze gesehen, die sie beschrieben. Nur Schiller sah einmal in Eger das Sterbehaus seines Wallenstein. Unaufdringlich schob der Vortragende zu jedem Schauplatz einige Anmerkungen zum historischen Hintergrund des jeweiligen Dramenstoffs ein.

Ihm lauscht dabei ein kundiges Publikum. Das Bild eines Fachwerkhauses erscheint auf der Leinwand, und noch bevor Keller sich äußert, raunt jemand: „Bauerbach!“ Des Dichters Lebensstationen sind der Mehrzahl der Zuhörer vertraut. Sie lassen sich von Keller durch die Weimarer Klassik geleiten und treffen Herder, Wieland und Goethe gewissermaßen auf der Straße.

Karl Keller, der vor Jahren die Rudolf-Koch-Schule leitete, hat dem Dichter einen würdigen Geburtstagsabend ohne literaturgeschichtlichen Ballast bereitet. Seine Zuhörer zeigten sich dankbar.

Rubriklistenbild: © Peter-von-Bechen / Pixelio

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare