Vorwürfe gegen Busfirma Köhler

Getrickst beim Mindestlohn?

+
Der Transportdienstleister Köhler fährt bald für die Offenbacher AWO. Laut den Geschäftsführern der Unternehmen wird den Fahrern der gesetzliche Mindestlohn gezahlt

Offenbach - Dass sich seit Einführung des Mindestlohns einige Firmen allerhand einfallen lassen, um ihn zu umgehen, ist ein offenes Geheimnis. Dies will auch Günter Zirkel erlebt haben – und schildert der Redaktion seine Erfahrung mit Köhler-Transfer. Von Veronika Schade

Das Busunternehmen wird, wie berichtet, ab August die Beförderung behinderter Mitarbeiter der Werkstätten Hainbachtal übernehmen. Die AWO hat sich gegen eine Vertragsverlängerung mit dem bisherigen Transportdienstleister Sonnenschein entschieden. Aus Kostengründen. Knappe sechs Monate war Zirkel für Köhler als Fahrer unterwegs. Nun wurde ihm fristgerecht während der Probezeit gekündigt. „Es hat ihnen nicht gepasst, dass ich den Mund aufgemacht habe. Entweder schlucken und machen, oder man wird gegangen“, sagt er und kritisiert einiges am Arbeitsablauf.

Etwa: „Die Arbeitszeit beginnt, wenn der erste Fahrgast eingestiegen ist und endet mit dem Ausstieg des letzten. Die eigentliche Tour dauert aber länger.“ So habe er viel unbezahlte Zeit im Kleinbus verbracht. Den hatte der Rentner, der sich mit dem Minijob ein Zubrot von 340 Euro monatlich verdient hat, zuhause abgestellt. „Unsere Fahrer haben die Möglichkeit, den Bus vor ihrem Haus zu parken oder ihn an einem anderen Standort nahe des Zielorts abzuholen“, sagt Geschäftsführer Ralf Köhler. Leerfahrten seien wie eine Fahrt zum Arbeitsplatz zu werten. Für diese kämen Arbeitnehmer stets selbst auf. „Nur Besetztfahrten müssen bezahlt werden“, sagt er und verweist dazu auf die Urteile dreier Landgerichts-Prozesse, die seine Firma gewonnen hat.

Die Fahrer sind vertraglich verpflichtet, Wartungs-, Pflege- und TÜV-Termine einzuhalten. „Das geschieht in der Freizeit und wird nicht bezahlt“, schimpft Zirkel. Ebenso verhalte es sich mit den regelmäßigen Meetings, Seminaren und Kursen. „So wird vorne rum zwar der Mindestlohn von 8,50 Euro gezahlt, hintenrum holen sie das Geld aber wieder rein“, schlussfolgert der Rentner. Köhler hält dagegen: „Wir sind einer der wenigen Transportanbieter, die ein festes Monatsgehalt bezahlen.“ Damit hätten die Fahrer Planungssicherheit auch zu Zeiten, in denen sie weniger Stunden arbeiteten, etwa in den Schulferien. „Damit ist eigentlich jeder zufrieden.“ Außerdem würden viele den Kleinbus „für den Einkauf zwischendurch“ nutzen, obwohl die private Nutzung eigentlich nicht gestattet ist. „Davon spricht aber keiner.“

Die Teilnahme an den monatlichen Fahrertreffen sei freiwillig. Bei den Schulungen und Fortbildungen wie dem Fahrsicherheitstraining, von denen es im Jahr höchstens zwei gebe, würden die Teilnehmer voll verpflegt. „Zum Abschluss gibt es Zertifikate. Das alles kommt ihrer Berufsqualifikation zugute und sollte im Interesse jedes Einzelnen sein“, findet der Firmenchef. Der gekündigte Mitarbeiter habe „mit seiner Renitenz den Betriebsfrieden gestört“. Köhler: „Dabei bin ich der letzte, der kritische Fragen nicht duldet.“ „Er soll das zur Anzeige bringen“, rät Hans Jürgen Best, Geschäftsführer der Werkstätten Hainbachtal, dem entlassenen Fahrer. Er selbst sieht keinen Grund, an der Firma Köhler zu zweifeln: „Es steht fest, dass dort Mindestlohn gezahlt wird. Das ist uns sehr wichtig. Wir erwarten das auch von unseren anderen Dienstleistern, etwa bei Spedition und Verpflegung.“ Der AWO-Vorstand selbst habe sich 2010 verpflichtet, mindestens 8,80 Euro Stundenlohn zu zahlen. „Bei anderen Werkstätten haben wir uns über Köhler informiert“, sagt Best über die Entscheidungsfindung. „Alle sind zufrieden. Das zählt.“

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion