Zu viel Lärm, zu viel Dreck, zu viel Verkehr

Vorzeigeprojekt am Hafen mit ersten Rissen

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Frühabendliches Idyll? Der Blick vom sogenannten Blauen Kran suggeriert ein falsches Bild, meinen einige Anwohner, die sich auf einer Informations-Veranstaltung Luft machen. Sie fordern mehr Kontrollen gerade in den Nachtstunden. Thema Müll: Der Stadtservice schickt Kehrmaschinen, reinigt die Hafentreppe und leert die Abfallkörbe – und zwar täglich.

Offenbach - Einige fürchten die Verdrängung sozial Schwächerer aus bestimmten Wohngebieten – etwa im Nordend. Tenor: Achtung, die reichen Frankfurter kommen. Von Martin Kuhn 

Genau andersrum könnte es im Hafen laufen: „Wenn es so bleibt, überlegen wir ernsthaft, wieder wegzuziehen“, klagt ein Anwohner bei einer Veranstaltung der Hafenentwickler OPG. Hauptkritikpunkte: Es ist zu laut, es ist zu dreckig, es herrscht zu viel Verkehr. Die Probleme sind bekannt, und die Stadt steuert mit der Offenbacher Projektentwicklungs-Gesellschaft (OPG) seit vergangenem Jahr entgegen – mehr Reinigungs-Intervalle und Kontrollen. „Es sind tägliche Streifengänge angeordnet. Der Umfang richtet sich nach personellen Verfügbarkeiten und weiteren Anforderungen. Mehr geht nicht, ohne andere Örtlichkeiten zu vernachlässigen“, erläutert Stadtsprecher Fabian El Cheikh.

Jetzt, mit wieder sommerlichen Temperaturen, häufen sich naturgemäß die Probleme. Sie werden in der Halle des Hafen 2 – teils unter Applaus – artikuliert. Es ist eine lange Liste mit sich wiederholenden Punkten, die sich OPG-Chefin Daniela Matha mit ihrem Team anhören muss: „Jeden Abend Party und Musik, die wir trotz einer Doppelverglasung hören.“ „Junge Menschen, die ständig laut diskutieren und streiten.“ „Nächtliche Autorennen mit 80 Stundenkilometern.“ „Es ist immer alles zugeparkt, eine Katastrophe.“ „So schlimm war es an keinem Ort in Berlin.“ „Es wird eine Flucht von der Hafeninsel geben.“

Sofortige Abhilfe kann die Geschäftsführerin nicht zusagen; allerdings werden alle Punkte notiert und entsprechend weitergegeben – an die Landespolizei, an das Ordnungsamt, an den Stadtservice. „Wir kennen unsere Aufgaben“, bekundet Matha. „Da passiert doch nichts!“, wettert daraufhin ein aufgebrachter Anwohner und fordert Hilfe ein durch „die Politik“; schließlich zahle man Steuern.

Leserbilder: Sehenswerte Eindrücke des Hafens

Ein anderer schlägt die Installation eines privaten Wach- und Knöllchendienstes vor (adäquat zur Praxis am Sana-Klinikum), der auch nachts „durchgreift“. Aber zumindest in diesem Punkt ist die Sache klar: Geht nicht, da eine solche Praxis lediglich auf Privatgelände gestattet ist – und davon ist man auf der Hafeninsel weit entfernt. Das Parkhaus an der Carl-Ulrich-Brücke ist keine Option für Parkplatzsuchende, weil es komplett dauervermietet ist.

Bisweilen drängt sich der Eindruck auf, einige Anwohner wähnten sich auf einem Eiland außen unzugänglichen Insel. Es ist wohl der Terminus „Hafeninsel“, der Zugezogene am Standort des ehemaligen Mineralöllagers zu diesem Irrtum verleitet. Dabei ist die Absicht von Stadt und ihrer Gesellschaften klar und unverrückbar: „Wir wollen dieses Stückchen den Bürgern zurückgeben.“ Deshalb habe man bewusst keine Reihenhaus-Siedlung geplant, sondern einen Teil Innenstadt. „Einen Ort, der Bürger anlockt.“

Bilder: Dreck und Müll im Hafenbecken

Wenigstens eine Besucherin, die im angrenzenden Nordend wohnt, teilt die offizielle Position, sieht die angesprochenen Hafen-Probleme eher als ein gesamtgesellschaftliches: „Es ist doch keine Lösung, den ganzen Leuten zu sagen: Ihr dürft hier nicht hin.“

Bei der ganzen Kritik geraten die Nachrichten zum Baufortschritt am Hafen beinahe zur Nebensache. In der nächsten Woche erfolgt die Ausschreibung für die sogenannte Hafenallee. Diese neue Hauptverkehrsachse wird ab dem zweiten Quartal 2018 auf einer Länge von 850 Metern von der Hafenschule bis zum Goethering ausgebaut – unter laufendem Verkehr. Dauer: bis Mitte 2019.

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Dass diese dann direkt an der Kita und der Grundschule vorbeiführt, ist laut Daniela Matha genau so geplant: Ziel sei es stets gewesen, den Nordring zur Anliegerstraße zurückzubauen und durch Bäume abzuschirmen. Früher ist der Spielplatz inklusive Matschecke und Kletterinsel am Blauen Kran fertig: Sommer 2018. Der Ausbau der Hafenspitze (Zech-Stiftung) folgt 2020, während der geplante HfG-Neubau einer Hängepartie gleicht. Die Stadt wartet nach wie vor auf eine Entscheidung des Landes.

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