Wache auf fremdem Grund

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Na, Staatsminister Stefan Grüttner wird doch wohl den Bewilligungsbescheid hergeben? Natürlich. Auch wenn’s hier anders aussieht. Wie Oberbürgermeister Horst Schneider sagte er: „Die beste Ausstattung nutzt nichts ohne die ehrenamtlichen Feuerwehrleute.“

Offenbach - Diesen Rhythmus darf Staatsminister Stefan Grüttner beibehalten. Aus Wiesbaden gab’s am Dienstag den Zuwendungsbescheid für die TSG Bürgel - 200 000 Euro; am Freitag folgte der für die Freiwillige Feuerwehr Rumpenheim - 434 000 Euro. Von Martin Kuhn

Kein Wunder, dass alle Beteiligten trotz bewölktem Himmel auf dem Bauplatz um die Wette strahlten. Oberbürgermeister Horst Schneider sieht im neuen Gerätehaus einen „weiteren Baustein für die Sicherheit und Vorsorge“. Der kostet allein die Stadt rund 2,2 Millionen Euro. Fertigstellung: Juni 2010.

Schneider erinnerte an den Wolkenbruch, der kürzlich Keller flutete: „Ohne die Freiwilligen hätte wir das nicht geschafft. Deshalb geben wir das Geld hier gerne aus.“ Die Rumpenheimer Blauröcke - gegründet 1872 - brennen im sprichwörtlichen Sinn auf den Neuanfang. Das Team um Wehrführer Gerd Lang ist seit Jahren zwar idyllisch untergebracht, aber das denkmalgeschützte Marstall-Gebäude liegt verwinkelt im alten Ortskern und die drei Fahrzeugboxen sind viel zu klein.

Der Neubau am Mainzer Ring bietet nicht nur die erforderlichen fünf Stellplätze (mit Option auf einen weiteren), sondern auch genormte Maße. Das ist für Uwe Sauer, Chef der Berufsfeuerwehr, ein entscheidendes Argument für die Investition: „Die Fahrzeuge der neuen Generationen werden immer höher und breiter. Der bisherige Standort hatte keine Zukunft.“ Zudem kommen nun auch die Boote der Rumpenheimer unter, die bislang an anderer Stelle untergebracht sind.

Da schlucken die Rumpenheimer sogar die Kröte, dass sie künftig von Bürgeler Boden ausrücken - der Neubau steht knapp hinter der Gemarkungsgrenze. Entscheidend für den Standortwechsel sind taktische Überlegungen. Die Rumpenheimer Wehr hatte bislang den längsten Anfahrtsweg zu den Einsatzorten, die meist in der Offenbacher Innenstadt liegen.

Das Gebäude schmiegt sich an den geplanten Mainzer Ring an. Weitere Details des Zweckbaus: Das Objekt ist so geplant, dass der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser mehr als 30 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung bleibt. Die Dächer über der Fahrzeughalle und dem Sozialtrakt sind für die nachträgliche Installation von Photovoltaik-Anlagen ausgelegt. Darüber hinaus sind die Dachflächen in weiten Bereichen mit extensiver Begrünung geplant. Die Fassade des Sozialtraktes erhält einen ochsenroten Anstrich, die Fahrzeughalle eine vorhängte und hinterlüftete Fassade aus türkisfarbenen Platten und profilierten Alu-Elementen.

Und was geschieht mit dem bisherigen Domizil am Rumpenheimer Schloss? Da investiert die Stadt in den Umbau weitere 150 000 Euro. Räume erhalten Stadtbrandinspektor, Jugendfeuerwehr und Brandschutzerziehung.

Ach ja: Der nächste Besuch des Staatsministers ist absehbar. Schneider wartet sehnsüchtig aufs nächste Hessen-Geld. Ist das verbucht, beginnt der nächsten Bauschnitt des Mainzer Rings.

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