Taschendiebstahl nimmt deutlich zu

Wachsende Angst vor Langfingern

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Offenbach - Blitzschnell schlagen die Langfinger zu, in den meisten Fällen können sie entwischen: Taschendiebstahl ist ein boomendes Gewerbe. Die Polizei registriert bundesweit einen rasanten Anstieg der Fälle. Auch in Rhein-Main ist die Besorgnis sehr groß.

Die Furcht vor Taschendieben auf Bahnhöfen, in Geschäftsstraßen und an Sehenswürdigkeiten ist deutlich gewachsen: 2014 wurden bundesweit offiziell 157.069 Fälle von Taschendiebstahl erfasst, wie aus der Kriminalstatistik hervorgeht. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Vorjahr 2013. Einen ähnlichen Anstieg hatte es schon von 2012 auf 2013 gegeben (plus 15,6 Prozent). Sorgen auch im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen. Die Beamten registrierten 2014 die zweithöchste Zahl der Trick- und Taschendiebstähle seit 2007; 982 Fälle. Nur wenige Täter kann die Polizei stellen. Bundesweit lag die Aufklärungsquote 2014 bei 5,9 Prozent. Dabei gehen Polizisten von einer Dunkelziffer aus, die noch einmal so hoch ist wie die offizielle Zahl. Viele Taten werden nicht angezeigt, weil die gestohlenen Summen klein sind oder Touristen den Behördengang meiden.

Ähnlich das Bild in den Bahnhöfen: 2014 verzeichnete die Bundespolizei 35 760 Delikte; 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht sich angesichts der Entwicklung in ihren Forderungen nach mehr Personal bestätigt. Laut GdP verfügen die Bahnhofsdienststellen der Bundespolizei vielfach nur noch über 60 bis 70 Prozent des Soll-Personals. Nach Einschätzung von Experten sind die Opfer besonders ältere Menschen, Touristen und Frauen mit Handtaschen. Diebe suchen gezielt nach Schwächeren. Männer werden eher Opfer, wenn sie betrunken in U-Bahnen einschlafen. Asiatische Touristen sind bei den Tätern beliebt, weil sie oft viel Bargeld dabei haben, wie ein Fahnder sagt. Generell wird gern bei Rucksäcken zugegriffen.

Wie werde ich...? Detektiv/in

Der Anteil der Verdächtigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag zuletzt bei 72 Prozent. Die Diebe sind sowohl Einzeltäter, Pärchen, wie auch Gruppen und Familien. „Fast ausschließlich haben wir mit reisenden Tätern zu tun, die in ganz Europa unterwegs sind“, sagt ein Experte. In Osteuropa und Nordafrika gibt es richtige Ausbildungen von Kindern und Jugendlichen zum Taschendiebstahl. Längst setzt die Kripo auf spezielle Ermittlergruppen. Die Fahnder beobachten in Zivil das Getümmel auf Bahnhöfen, in Geschäftsstraßen und bei Sehenswürdigkeiten und sind in Bussen und Bahnen unterwegs. Werden Strafen verhängt, sind sie eher niedrig, und die Diebe kehren später wieder zurück. Was auffällt: Taschendiebe fühlen sich in Großstädten besonders wohl. Dabei hat München relativ niedrige Zahlen. In Polizeikreisen verweist man auf die bayerische Justiz, die rasch Gefängnisstrafen verhänge. „Das spricht sich rum.“

Die Diebesbeute eines Langfingers

psh/dpa

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