Das wackere Dutzend nimmt viele Fragen mit

+
Vorsitzender Klaus Keller verweist vor dem OVO-Sitz aufs erstellte Datenblatt: Er bangt um die Zukunft der Anlage.

Offenbach - Eine verpasste Chance. Das würde Sieglinde Nöller, als Stadtverordnetenvorsteherin stets um Ausgleich bedacht, zwar nie so sagen, aber eine gewisse Enttäuschung ist bei der Christdemokratin spürbar. Von Martin Kuhn

Nur ein gutes Dutzend der 71 Parlamentarier erscheint am frühen Samstagmorgen zur Gemarkungsfahrt. Wie immer: Die Lokalpolitiker hören von Nöten (Schneckenberg), sehen Elementares (Maindeich) und erfahren Details (Sportfabrik). Gerade die „Neuen“ im Stadtparlament werden vermisst, da die Rundfahrt auch eines bietet – Zeit für Gespräche außerhalb des Fraktionszwangs.

„Oberbürgermeister hat uns keine rosige Zukunft versprochen“

Erste Station ist der Schneckenberg, genauer: der Offenbacher Verwaltungs- und Organisationsverein (OVO). Der hat sein Refugium gefunden zwischen ehemaliger Mülldeponie und S-Bahn-Strecke. Er nutzt Gebäude, die ehemals als Unterkünfte für Gastarbeiter, meist für Tiefbauamt und Müllabfuhr tätig, errichtet wurden. Als diese keine Ein-Zimmer-Appartments benötigten, sondern Wohnungen für ihre Familien, rückten Vereine nach – etwa Bürgergarde und Stadtgarde, später das deutsch-griechische Kulturforum Kinisis oder die Motorradfreunde Offenbach; zusammen sind’s 23 Vereinigungen.

Die OVO-Sorge: 2022 läuft der Mietvertrag aus. „Und der Oberbürgermeister hat uns keine rosige Zukunft versprochen“, so Vorsitzender Klaus Keller. Ausschlaggebend war ein Vorfühlen bei der Stadtplanung, das Vereinszentrum aufgrund „großer Nachfrage“ zu erweitern. „Uns wurde erklärt, dass das Gelände langfristig dem Grüngürtel zurückgeführt wird.“ Ein Blick auf den Stadtplan bestätigt das - auf der einen Seite der Lohwald, auf der anderen der Leonhard-Eißnert-Park. Der ehrenamtliche liberale Stadtrat Ferdi Walther weiß: „Es gehört zur Regionalplanung.“ Beinahe unisono heißt’s: „Das hier stört doch niemanden.“ Ob der bisher tief enttäuschte Klaus Keller mit seinem Team aus dem Besuch Hoffnung schöpft, ist unklar - er hat zumindest die Anwesenden sensibilisiert.

„So viel Honig“

Nächste Station für die Rundfahrer: Der Maindeich, wo kräftig geübt wird. Dort begrüßt Peter Schneider in neuer Rolle als Grünen-Bürgermeister ehemalige parlamentarische Mitstreiter und Gegner. Da der Hochwasserschutz dem Land obliegt, ist als zuständiger Vertreter Regierungspräsident Johannes Baron anwesend, der als übergeordneter Wächter der spärlichen Offenbacher Finanzen gilt. Bereits nach kurzer Zeit spricht der Bürgermeister von „wohlwollender Begleitung“ und „gedeihlichem Miteinander“. Das ist wohl des Guten zuviel: „So viel Honig...“, entfährt es einer Stadtverordneten.

Mit dem Gelenkbus geht’s zum Mainzer Ring. Projektleiter Josef Bercik vom Bauamt lenkt den Blick auf den finalen, gut 600 Meter langen Abschnitt zwischen Karl-Herdt-Weg und Kettelerstraße: 4 Millionen Euro teuer, etwa 70 Prozent Zuschüsse, Fertigstellung Herbst 2013. Unglücklich scheinen einige mit dem Mehrheits-Beschluss: Warum nur Kreisel ? Weil’s gerade in Mode ist ? Freilich wählt Bercik die unpolitische Antwort: „Der Verkehr fließt besser.“ Und wann folgt die Bebauung in Bürgel-Ost ? „Das ist das große Fragezeichen...“

An der Umfahrungs- und Erschließungsstraße liegt der letzte Halt. Helmut Schmidt, 2. Vorsitzender der Bürgeler TSG, führt durch die ESOSportfabrik - samt Kegelbahn, Tennishalle, Gymnastik- und Kraftraum. Da ist der eine oder andere erstaunt: „Ich wusste gar nicht, was es hier alles gibt.“ Schade eigentlich, dass das an diesem Morgen nicht mehr Parlamentarier erfahren haben...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare