Wächter unseres Wassers

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Einer, der sich mit Wasser auskennt: Bernd Petermann ist seit 2008 Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach.

Offenbach - Es ist ein Arbeitsplatz, der idyllischer nicht liegen könnte. Kein Wunder, wird sich doch dort um das gekümmert, was zum kostbarsten zählt, das die Natur zu bieten hat. Von Matthias Dahmer

Mitten im Jügesheimer Wald, dort wo man höchstens noch Spaziergänger und Radler vermutet, residieren die Wächter unserer Wassers.

Bernd Petermann würde vermutlich zu einer eher nüchternen Definition neigen. Der 54 Jahre alte Diplom-Ingenieur ist Geschäftsführer des 1970 gegründeten Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO). Aufgabe des Verbandes ist die Beschaffung von Wasser sowie die Errichtung und der Betrieb von Wassergewinnungsanlagen, mit Ausnahme der örtlichen Verteilernetze. Das Versorgungsgebiet umfasst die Stadt Offenbach und die Kreiskommunen, wobei die Städte Langen, Neu-Isenburg, Dreieich und Mühlheim eigene Versorgungsanlagen haben und nur zum Teil Wasser vom ZWO beziehen. Ferner werden die Hanauer Stadtteile Steinheim und Klein-Auheim sowie die Gemeinde Messel im Kreis Darmstadt-Dieburg beliefert.

Für rund 340.000 Menschen sichert der ZWO die Wasserversorgung. Sie verbrauchen etwa 19 Millionen Kubikmeter im Jahr. Mit sechs Millionen größter Abnehmer ist die Stadt Offenbach, die mit Peter Freier (CDU), Stephan Färber (SPD) und Wilfried Jungbluth (Grüne) die Hälfte des ZWO-Vorstands stellt.

Der weitaus größte Teil des Wassers wird in den sechs Wasserwerken des Verbandes in Seligenstadt, Rodgau und Heusenstamm gefördert.

Wenn’s ums kühle und kostbare Nass, um sein Metier geht, dann kann der agile Sachse Petermann richtig in Fahrt kommen: Nein, von einer Wasserknappheit konnte selbst im extrem trockenen Frühsommer keine Rede sein, schließlich sei man hier nicht in der Sahel-Zone, sagt er.

Wasserpreis wird fast nur durch Fixkosten bestimmt

Der ZWO schöpft seinen Arbeitsinhalt aus dem Grundwasser der Hanau-Seligenstädter Senke. „Sie müssen sich das wie eine Art Talsperre vorstellen“, erläutert der ZWO-Chef. Die Knappheit sei nur eine Mengenfrage. Die stellt sich für den Verband kaum, weil er mit seinem Auftrag, die öffentliche Wasserversorgung sicherzustellen, Vorrang vor allen anderen Nutzern hat. Das heißt: Private, wie etwa Landwirte, Vereine oder Firmen, die über eigene Brunnen verfügen, müssen im Fall des Falles den Hahn zugunsten des ZWO zudrehen.

Wasser zu fördern, ist nicht billig. 2007 hat der Verband vom Regierungspräsidium für weitere 30 Jahre die Rechte dazu erhalten, nahezu 300.000 Euro, sagt Petermann, mussten dafür hingeblättert werden. Umweltverbände hatten sich dafür ausgesprochen, die Wasserrechte nur auf zehn Jahre zu vergeben. Sie würden die Arbeit des ZWO kritisch sehen, befürchteten Auswirkungen auf das Grundwasser, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Dabei laufe beim ZWO ein über Jahre angelegtes forstökologisches Monitoring, müssten per gesetzlicher Verpflichtung zudem sogenannte Grenz-Grundwasserstände beachtet werden. Private Brunnenbetreiber seien dazu nicht verpflichtet, sagt Petermann. „Der Golfclub kann noch bewässern, wenn wir keinen Tropfen mehr fördern dürfen“, beschreibt der ZWO-Chef anschaulich die Ungleichbehandlung.

Die Diskussion um die Höhe der Wasserpreise kann Bernd Petermann nicht so recht nachvollziehen: Der Preis werde in erster Linie durch die fixen Kosten bestimmt. Die Unterhaltung der Wasserwerke, der Netze und der Brunnen mache fast 85 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Abschreibung solcher Anlagen laufe über mindestens 30 Jahre.

Der Wasserförderer macht weitere Rechnungen auf: 45 Cent verlange der ZWO von den Kommunen für einen Kubikmeter Wasser. „Mit dieser Menge könnte man 1000 Flaschen mit einem Wasser befüllen, das bedenkenlos getrunken werden kann. Ein bisschen Kohlensäure dazu und fertig ist das Tafelwasser.“ Und mit dem Geld, welches der Verbraucher derzeit in eine Tankfüllung stecke, könne er seine Jahresrechnung fürs Trink- und Abwasser bezahlen.

Gerne würde der Zweckverband auch seinen Fuß in die örtlichen Verteilernetze bekommen, um ins Endkundengeschäft einzusteigen. Das ist aufgrund einer Satzungsänderung seit dem Jahr 2008 theoretisch möglich. Bislang hat es in dieser Sache nur Gespräche mit Seligenstadt geben. „Das Verhandeln mit den Kommunen zu diesem Thema ist wie Steine schneiden“, formuliert Bernd Petermann. Dabei habe sich im Laufe der Jahre viel getan auf diesem Gebiet, der ZWO sei bislang aber nur Zuschauer gewesen.

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