Waldschwimmbad

EOSC erneuert Hilferuf

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Selbstversuch unter Aufsicht: Dieter Erk kurz unter im Spalt zwischen den beiden Abdeckplanen.

Offenbach - Haftungsrisiko. Ein hässliches Wort. Einige wollen es daher gar nicht erst hören. Es ist aber wichtig und entscheidend, wenn’s um das einzig verbliebene Freibad in Offenbach geht. Von Martin Kuhn

Im Mai hatte der EOSC als privater Betreiber einen öffentlichen Weckruf gestartet. Knackpunkt ist die personal- und kostenintensive Aufsicht am Beckenrand. Sollte sich nichts ändern, kündigte Matthias Wörner, neu gewählter EOSC-Vorsitzender, an: „Dann machen wir eben zu. “.

Außer wohlwollender Formulierungen und Streicheleinheiten seitens der Lokalpolitik folgte wenig, vor allem keine handfesten Zusagen. Nach den jüngsten unschönen Vorfällen erneuert Dieter Erk,  Beisitzer im EOSC-Vorstand, nicht nur den Ruf an die Verantwortlichen nach mehr Personal. Er legt sogar einen drauf. Eigentlich müsste das Areal auf der Rosenhöhe bewacht werden - und zwar rund um die Uhr.

„Da muss jemand drauf gewesen sein.“

Was ist da passiert? Eine wärmedämmende Abdeckplane, die außerhalb der Öffnungszeiten über die Wasseroberfläche gezogen wird und den Energiebedarf um etwa 80 Prozent senkt, könnte sich als Falle entpuppen. In der vergangenen Woche entdeckten Vereinsmitglieder früh morgens, dass die Folie geknickt ist. Für sie offensichtlich: „Da muss jemand drauf gewesen sein.“ Erk bittet jemanden: Schau’ mal vorbei, wenn du nachts mit dem Hund Gassi gehst. Um 3 Uhr alarmiert der Mann die Polizei. Die erwischt junge Männer, die über den Zaun geklettert waren.

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„Dann machen wir eben zu“

Das Gefährliche an diesen ungebetenen Besuchen, die schon früher – meist in angeheiterter Stimmung – allzu oft in einem nächtlichen, übermütigen Sprungs ins Nass mündeten: Die Folie, geschätzte 20  000 Euro teuer, deckt nicht die gesamte Wasserfläche des 50-Meter-Beckens ab; es bleibt ein Spalt. Dieter Erk, als Wasserballer immer noch bei den Alten Herren aktiv: „Wenn da nachts einer reinspringt, ist er weg. Da verliert man selbst als geübter Schwimmer ruckzuck die Orientierung.“ Über die Folgen mag er mit seinen Vorstandkollegen gar nicht nachdenken.

Wird jemand erwischt, hat es weitreichende Konsequenzen: Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sowie ein Hausverbot. Für den EOSC, der schon Bänke und Mülltonnen aus dem Becken fischen musste, sind das keine Dumme-Jungen-Streich oder Mutprobe mehr. Nicht nur Erk ist daher für eine harte Gangart: „Die Leute müssen sehen, dass etwas passiert.“

Signale setzen für die braven Badegäste

Damit meint er nicht nur die Übeltäter. Er will auch Signale setzen für die braven Badegäste, die das Areal und die familiäre Atmosphäre seit Jahren schätzen. Um diese zu halten, verlangt der Verein weitere Unterstützung. An heißen und entsprechend besucherintensiven Sommertagen könnte ein Sicherheitsdienst beim Einlass helfen, tagsüber Streifen der Stadtpolizei, nachts eine Runde der Polizei. Das hat vergangenes Jahr geklappt, ist aber kein Automatismus. Dass es der Verein erbetteln muss, ist für Erk nicht nachzuvollziehen.

Er zeigt beim Gang übers Gelände auf einen Drahtzaun, der geflickt ist, an anderen Stellen ist er komplett verbogen: „Das ist die reinste Einladung, ums gleich zu sagen: Dem EOSC fehlt für einen ordentlichen Schutz das Geld.“ Offenbar ist die Geduld beim EOSC langsam aufgebracht. Bei der nächsten Gesprächsrunde ist mit der Stadt einiges zu bereden.

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