Prominente Direktkandidaten

Drei Interpretationen des Wahlausgangs

Offenbach - Von Selbstkritik bis Stolz reichen am Tag nach der Landtagswahl die Reaktionen der Direktkandidaten, die zum Teil seit Jahren Schwergewichte im politischen Ring in Wiesbaden sind. Was künftige Koalitionen angeht, können auch sie gestern überwiegend nur orakeln. Von Matthias Dahmer

Immerhin: Stefan Grüttner, der zum sechsten Mal in Folge als CDU-Direktkandidat den Wahlkreis 43 geholt hat, deutet Präferenzen an. Schwarz-Grün, sagt der hessische Sozialminister, sei durchaus eine realistische Option. Möglicherweise könne man sogar schnell Gemeinsamkeiten finden. Aber grundsätzlich werde die Union als stärkste Kraft in Hessen Gespräche mit allen anderen Parteien führen, „außer mit den Linken“.

Wichtig, so Grüttner, seien stabile Mehrheiten im Land. Der „Wortbruch“ der SPD deute sich aber schon an, meint er mit Blick auf eine mögliche Koalition von Rot-Grün mit den Linken. Das Landtagswahlergebnis der CDU ist für Grüttner jedenfalls ein toller Erfolg und „klarer Regierungsauftrag“. Angesichts des Offenbacher Ergebnisses räumt er ein, dass die SPD-Direktkandidatin Heike Habermann im Vergleich zu 2009 (der Abstand betrug damals 13 Prozent), näher an ihn herangerückt ist. Diesmal seien es immer noch fünf Prozent, wobei Heike Habermann vermutlich davon profitiert habe, dass viele Grünen-Wähler ihre Erststimme ihr gegeben hätten.

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Die Spitzenfrau der SPD, die von 25 Prozent 2009 auf 30,4 Prozent geklettert ist, kann sich über die Zuwächse indes nicht so recht freuen: „Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis, kann aber damit leben“, gibt sie zu Protokoll.

Sie habe sich bemüht, den Wahlkreis 43 nach 30 Jahren für die Sozialdemokraten zurückzuerobern. Das sei ihr nicht gelungen, was aber auch schwer sei angesichts eines grünen Spitzenkandidaten aus Offenbach und eines Direktkandidaten der Linken, der auf das Thema Fluglärm gesetzt habe, interpretiert Heike Habermann die Ergebnisse so ganz anders als CDU-Kandidat Grüttner. Die „spannendste Frage“, sagt die SPD-Landespolitikerin, sei, wie es weitergehe. Für ihre Partei gelte immer noch die Aussage, nicht mit den Linken und nicht mit der CDU zu koalieren. Wobei man jedoch das wohl kommende Gesprächsangebot der Union zunächst einmal annehmen werde.

Frust und Freude bei Wahlparty in Offenbach

Dass es – wie von Grüttner angedeutet – mit Schwarz-Grün klappen könnte, hält der Spitzenmann der Grünen, Tarek Al-Wazir, für unwahrscheinlich. Grundsätzlich seien bei Koalitionsgesprächen zwar nur die Inhalte und nicht persönliche Befindlichkeiten entscheidend. Doch genau bei den Inhalten gebe es mit der CDU ein großes Problem. Die CDU wolle mit ihrer Politik das, was die Grünen nicht wollten.

Eine Zusammenarbeit von Rot-Grün mit den Linken schließt Al-Wazir nicht grundsätzlich aus. Man müsse immer sehen, was die Mehrheit der Wähler wolle. Vorher Konstellationen auszuschließen oder zu vereinbaren, wie es die FDP mit ihrem Nein zu einer Ampelkoalition getan habe, sei nicht zu verantworten. Und im Gegensatz zum Bund hätten sich die Wähler in Hessen klar gegen Schwarz-Gelb ausgesprochen. Mit deren Abwahl hätten die Grünen eins ihrer Ziele erreicht. Nicht gelungen sei hingegen, für Rot-Grün eine Regierungsmehrheit in Hessen zu erhalten.

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Freude und Frust - Hessenwahl in Bildern

Tarek Al-Wazir, der dem Parteirat der Bundes-Grünen angehört und gestern an Krisengesprächen in Berlin teilnahm, schließt einen ihm schon öfter nachgesagten Abschied in die Bundespolitik aus. Er sei bei der Landtagswahl gewählt worden und werde Hessen und Offenbach erhalten bleiben.

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