Ein Jahr Gefängnis

Im Wahn Fassade des Amtsgerichts demoliert

Offenbach - Es war eine spektakuläre Tat: Am Morgen des 2. November 2011 gegen 8 Uhr schlägt der Dietzenbacher Arne Karl F. aus jahrelang aufgestautem Frust über den Justizapparat mit einem drei Kilo schweren Vorschlaghammer auf die Fassade des Amtsgerichts Offenbach ein. Von Matthias Dahmer

An der Kaiserstraße gehen dabei 130 Fliesen zu Bruch, 40 Scheiben, zwei Türen und ein Hinweisschild werden in Mitleidenschaft gezogen. Schaden: 74.000 Euro. Als die Polizei am Tatort eintrifft, legt F. den Hammer beiseite und lässt sich widerstandslos festnehmen. Für die Tat verurteilte das Amtsgericht den 62-Jährigen jetzt wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu einem Jahr Gefängnis. Gegen das Urteil legte er Rechtsmittel ein.

Obwohl ein Gutachter dem Angeklagten eine „paranoide Persönlichkeitsstörung“ bescheinigte, die sich in einem nur schlecht therapierbaren „Querulanten-Wahn mit extremem Misstrauen gegen Polizei und Behörden“ äußere, mithin verminderte Schuldfähigkeit vorliegt, kam für Richterin Eva-Maria Meder eine Bewährungsstrafe oder die von Rechtsanwalt Michael Heuchemer geforderte Geldstrafe nicht mehr in Betracht: F., der mit der Tat ein Signal setzen und auf seine vermeintliche jahrelange Verfolgung durch die Justiz aufmerksam machen wollte, stand unter Bewährung. Das Amtsgericht Groß-Gerau hatte ihn wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt.

Keinerlei Reue gezeigt

Erschwerend kam hinzu, dass F., der als Transportunternehmer tätig war, später eine Sicherheitsfirma hatte und derzeit arbeitslos ist, keinerlei Reue zeigt. Im Gegenteil: Bilder von der Tat finden sich auf der von ihm eingerichteten Internetseite, welche sich detailreich angeblichen Missständen bei Polizei und Justiz widmet. Wer diese Fotos geschossen hat, konnte bislang nicht ermittelt werden. Eine vom Gutachter empfohlene psychiatrische Behandlung lehnte der Angeklagte ab. Er habe aus Notwehr und aus Angst um seine Existenz gehandelt, sagte er vor Gericht. Er habe erreichen wollen, dass Straftatbestände von Polizei und Justiz aufgedeckt würden. „Doch das ist mir gründlich misslungen, es gibt keine Wiederholung“, brachte F. in seinem Schlusswort dann doch einen Anflug von Reue zum Ausdruck.

Angesichts fehlender „positiver Sozialprognose“ und wegen des Wahns nicht auszuschließender ähnlicher Taten wurde das indes nicht zugunsten des Dietzenbachers berücksichtigt.

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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