Waldarbeiten von Hessen-Forst

Wirtschaftsprozess Holzernte

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Unmittelbar an das Gelände der Marianne-Frostig-Schule auf der Rosenhöhe grenzend, hat Hessen-Forst bereits im vergangenen Jahr Bäume gefällt. Der Anblick umherliegender Stämme stößt nicht bei allen Waldbesuchern auf Verständnis.

Offenbach - Leser Andreas T. ist sauer. Bei Spaziergängen im Wald zwischen Rosenhöhe und Sprendlinger Landstraße ist ihm aufgefallen, dass „gesunde Bäume flächig abgeholzt“ wurden. Von Jenny Bieniek

Ein Unding, wo der Wald den lärmgestressten Lauterbornern doch als Naherholungsgebiet diene, findet der Naturliebhaber. „Da wurden 20 Jahre alte Bäume gefällt. Stellenweise findet sich über mehrere 100 Meter überhaupt kein Altbestand mehr“, empört er sich. Und dort, wo „Kahlschlag“ betrieben wurde, wüchsen nur minderwertige, schmale Bäume und Gebüsch nach. T. sieht die Belange der hiesigen Bürger nicht ernst genommen. „Ganz Offenbach kommt zum Joggen, Spaziergehen und Durchatmen her, trotzdem schädigt man diesen Wald nachhaltig“, kritisiert er. Die Wege seien in miserablem Zustand. Da es vielerorts an Walddichte fehle, würde der Lärm der A3 nicht mehr abgehalten. „Das Land bestraft uns, weil da irgendjemand mit dem Holz Geld verdienen will“, vermutet er.

Michael Löber von Hessen-Forst in Langen kennt solche Reaktionen. Er weiß, dass der Zusammenhang von Wald und Wirtschaft bei vielen Menschen auf Unverständnis stößt. „Holzeinschlag sorgt leider immer für große Diskussionen in Teilen der Bevölkerung, dabei ist die Holzernte ein ganz normaler Wirtschaftsprozess“, betont der Fachmann. Tatsächlich haben er und seine Kollegen in den vergangenen Wochen zwei Maßnahmen im Staatswald südlich von Lauterborn vorgenommen: Am Bebauungsrand der Rosenhöhe eine etwa zehn Hektar messende Holzernte von älteren Buchen und Eichen sowie nahe der Fußgängerbrücke an der Sprendlinger Landstraße die Durchforstung von zirka 15 Hektar Kiefer- und Buchenbeständen mittels Harvester.

Jenseits der Sonne - Pflanzenparadies wie am Waldrand

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„Von Kahlschlag oder Rodung kann aber keine Rede sein“, sagt Löber und stellt klar, dass es sich bei der betroffenen Fläche nicht um Offenbacher Stadtwald, sondern um Staatswald des Landes Hessen handelt. Er macht keinen Hehl daraus, dass mit der Produktion des Rohstoffs Holz Geld verdient wird. Denn die Einnahmen aus dem Holzverkauf finanzieren unter anderem die Erhaltung der Wege, den Bau von Erholungseinrichtungen und die Verkehrssicherung. Dass für die Ernte nur gesunde Bäume genutzt werden, dürfte nicht überraschen. „Maschinen wie Harvester im Wald sind für viele eben ein No-Go“, bedauert Fachmann Löber das negative Image der Holznutzung. Die romantische Vorstellung aber, der Status quo innerhalb eines Waldes müsse erhalten bleiben, sei schlicht falsch. „Wenn es später einmal ältere, gesunde Bäume geben soll, müssen schon die jungen gepflegt werden. Sie brauchen Licht und Platz“, erinnert der Hessen-Forst-Mann. Dafür sei ein Eingriff in den Altbestand nötig. Aber: Alles, was verschwindet, wachse 100 Meter weiter nach, versichert Löber und verweist auf die jüngst erhaltene FSC-Zertifizierung seines Landesbetriebs. Dieses Gütesiegel bescheinigt Hessen-Forst die professionelle Waldbewirtschaftung und nachhaltige Nutzung unter Einhaltung hoher Umwelt- und Sozialstandards.

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