Nutzwert der Toleranz

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Stilecht: Zur Eröffnung des Hugenotten-und Waldenserpfades sind gestern unter den Gästen in der Französsich-reformierten Kirche auch diese vier Damen in der damaligen Tracht.

Offenbach ‐ 1800 Kilometer misst der Fernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“, von Südfrankreich bis ins nordhessische Bad Karlshafen. Sechzehn Kilometer führen durch Offenbach. Von Lothar R. Braun

Seine festliche Eröffnung erfuhr das Teilstück an angemessenem Ort. In Offenbachs Französisch-reformierter Kirche wurde das zum Blick auf ein Kapitel europäischer Vergangenheit, das Offenbach einschneidend prägte und Neu-Isenburg überhaupt erst entstehen ließ.

Es ist eine Geschichte vom Spalten und Verbinden, von Glaubensstärke und auch vom Nutzwert der Toleranz. Hans-Georg Ruppel beschrieb das am Sonntag in einem Vortrag über die historischen Zusammenhänge. Von der blutigen Bartholomäusnacht des Jahres 1572 über das friedensiftende Edikt von Nantes im Jahr 1598 führte der frühere Stadtarchivar seine Zuhörer in die Epoche der erneuten Verfolgung der französischen Protestanten unter König Ludwig XIV.

1699 kam die erste Welle der Flüchtlinge in Offenbach an. Sie waren mittellose Landwirte und Ackerbürger, denen Graf Johann Philipp abseits von Offenbach Land zuwies. Philippsdorf nannten sie ihre Ansiedlung im Wald. Später gaben sie ihr den Namen Neu-Isenburg. Die zweite Welle, diesmal weniger verarmte, gewerbetüchtige Familien erreichte Offenbach 1703 und ließ sich rund um das Schloss nieder. Mit Freiheiten und Vorrechten besser ausgestattet als die Einheimischen schubsten sie Offenbach auf den Weg zu einem Industriestandort. Mit ihnen gelang der Aufstieg zu einer Stadt.

Im 16 Kilometer langen Offenbacher Abschnitt des Weges werden informativ gestaltete Wegzeichen in Stelenform auf bemerkenswerte Punkte aufmerksam machen. Ihre Gestaltung hat die Dr. Marschner Stiftung ebenso ermöglicht wie kleinere Markierungen auf dem Weg zwischen Neu-Isenburg und Mühlheim (den ausführlichen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Offenbach-Post).

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